Albanien 3.10. – 4.10.

In Albanien wollen wir uns nicht lange aufhalten. Wir wollen eigentlich nur durch fahren um nach Griechenland zu kommen. Mehr als 400 km nahe der Küste. Wieder so ein Land wo ich nicht viel drüber weiß. Wo ich vielleicht auch ein bisschen Angst habe? Berechtigt? Nein, das sage ich vorweg!

Am 3.Oktober brechen wir vom “Long Beach” bei Ulcinj (Montenegro) auf in Richtung Grenze zu Albanien. Wir sind ein wenig aufgeregt, oder vielmehr ich. Ob wir die Grenze mit Sams vorläufigem Personalausweis passieren können. Laut Internet ist das nämlich nicht möglich. Aber da hätten wir eigentlich auch schon Probleme in Kroatien, Bosnien und Montenegro bekommen müssen. Einen Versuch ist es wert, sonst müssen wir halt umdrehen und zurück fahren. Auf dem Weg zur Grenze stehen wir vor unserem ersten Hindernis: eine Straßensperrung. Die möchte umfahren werden. Es geht einen steilen Berg hinauf über eine schmale Schotterstraße. So das ein oder andere Schlagloch zwingt uns, langsam zu fahren. Im Navi zeigt sich ein riesen Umweg. Aber was wollen wir anderes machen? Irgendwann erscheint dann doch die Grenze vor uns. Wir reihen uns in die Autoschlange ein. Dann sind wir dran. Ausweise vorzeigen. Komische Blicke auf das Papier und auf Sam. “Okay, das wars dann” denke ich. Ich schwitze. Er verschwindet mit unseren Ausweisen und kommt dann wieder und noch weitere Kollegen mit ihm. Einer spricht Englisch mit uns: Was ist das? Mein Ausweis! Warum hat man sie damit bis hier hin fahren lassen? Sie beratschlagen sich und letztendlich dürfen wir sogar weiter fahren. Cool! Also auf in Richtung Griechenland.

Die Straßen in Albanien sind auf den ersten Blick besser als in Montenegro. Schön breit. Aber nur auf den ersten Blick. Man muss besonders bei Brücken aufpassen. Keine Dehnungsfugen vorhanden. Somit tiefe Löcher vor und nach den Brücken. Auf der sogenannten “Autobahn” stehen Verkaufsstände an der Auffahrt und gerne auch Nutztiere an den Seiten. Außerdem gelten hier andere Verkehrsregeln: -Vorfahrt hat der, der sie sich nimmt. Am liebsten mit Handzeichen -Überholt wird dort, wo gerade Platz ist. Gerne auch mal von rechts. Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir schon in Montenegro, aber das hier ist der Wahnsinn! Ich bin froh, dass ich nicht am Steuer sitze. Das macht mich sogar als Beifahrer fertig.

Wir fahren durch ein riesiges Tal. Rechts die Küste, links riesig aufsteigende Berge. Überall in der Landschaft sehen wir kleine dunkle Rauchschwaden aufsteigen. Feuer. Wir erkennen sehr schnell, dass das alles kleine Müllberge sind, die einfach angezündet werden. Schon wieder Verschandelung der schönen Natur. Wir fahren bis Vlora. Dort soll ein schöner freier Stellplatz direkt in einer Bucht am Meer sein. Der Weg dahin gefällt mir nicht wirklich. Wir verlassen die große Straße. Tiefe Schlaglöcher wo ganze Autos drin verschwinden könnten müssen wir umfahren. Dann wird der Weg noch schmaler. Und dann sind wir auf einer Schotterstraße unterwegs, die wir nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren können. Sonst fliegt uns hinten alles um die Ohren. Nachdem wir ein paar Kühe überholt haben erreichen wir die Bucht. Gott sei Dank. Jetzt nur noch den richtigen Platz finden. Wer dachte wir wären hier die einzigen. Fehlanzeige. Neben 2 weiteren Campern gibt es hier den Schäfer mit seinen Hütehunden, die ihren Job sehr ernst nehmen. Dann gibt es da noch den freundlich winkenden und bekifften Kuhhirten. Wir haben eine Stelle im festen Sand gefunden. Blick auf den Sonnenuntergang. Ein wankender, stolpernder Mann kommt in unsere Richtung. Er bleibt stehen. Stolpert weiter. Bleibt wieder stehen. Guckt zu uns. Mir ist etwas mulmig. Aber hey, was solls, ich winke ihm einfach mal. Er grinst und winkt zurück. Trottet an uns vorbei. Als er vorbei ist riechen wir den Grund seines stolperns und stehen bleibens. Er hat sich gerade einen Joint gedreht und angezündet. Vermutlich nicht der erste heute. Der wird uns nicht gefährlich. Aber was macht der da? Der treibt die Kühe ein. Eine kleine Kuhherde von über 20 Tieren trottet vor uns am Strand entlang. Lustig. Ich hab noch nie Kühe am Strand gesehen. Im Sonnenuntergang.

Irgendwann ist es dann dunkel und die Mücken sind wieder da. Wir gehen rein. Bin müde von der anstrengenden Autofahrt. Der Fahrstil der Albaner hat mich fertig gemacht. Im Halbschlaf schrecke ich hoch. Ein Hund rennt bestimmt 4-5 Minuten bellend um unser Auto. Er scheint von unserem Platz nicht begeistert zu sein. Ausgerechnet jetzt müsste ich mal pinkeln. Er ist wieder weg. Wir warten noch mal 10 Minuten. Dann schnell raus und wieder ins Auto. In der Nacht schlafe ich unruhig. Immer mal wieder Hundegebell. Aber er kommt nicht wieder.

Wir frühstücken draußen und genießen die Sonne. Gegen 11 Uhr beschließen wir weiter zu fahren. Wieder die beschissene Straße zurück. Am liebsten würde ich Jolly tragen. Der Arme. Zurück auf der “Autobahn” geht es dann. Wir fahren jetzt durch die Berge. Breite Flussbetten. Hohe Berge. Sonnenschein. Eine atemberaubende Natur. Und Irgendwann ist sie da: Die Griechische Grenze. Fast geschafft.

Montenegro 25.9.-3.10.

Jolly im Durmitor Nationalpark

Wir stehen vor der Grenze eines Landes, was ich so gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich bin gespannt. Wir dürfen die Grenze zu Montenegro passieren, obwohl Sam mit seinem vorläufigen Personalausweis reist. Jetzt sind wir drin. In Montenegro zahlt man mit Euro, aber es ist nicht in der EU. Beitrittsverhandlungen stehen wohl aus. Daraus ergibt sich noch ein kleines Problem: Hier sind erhebliche Roaming Gebühren fällig. Zum Beispiel kostet ein Telefonat max. 5,99 Euro/Min, Datennutzung 0,99 Euro/50 KB plus 0,59 Euro Tagesnutzungspreis. Daaaas…..ist viel Geld! Da müssen wir uns noch was einfallen lassen.

Kotor

Wir gelangen nach Herceg Novi und fahren weiter nach Kotor. Dazu müssen wir die Bucht von Kotor erst einmal umrunden. Tiefblaues Wasser umrandet von hohen, dunklen Bergen. Und immer noch ziemlich windig. Kotor ist eine kleine, verwinkelte Stadt umgeben von hohen, mittelalterlichen Festungsmauern, die bis hoch auf den Berg reichen. Beeindruckend. Auch hier legen große Kreuzfahrtschiff an und hunderte von Touristen rennen durch die Stadt. Wir rennen mit. 🙂

Kurz hinter der Grenze haben wir ein Schild gesehen, auf dem für Mobilfunktarife geworben wird. Für nen 10er 200GB. Da schlagen wir zu. Jetzt können wir im Internet surfen was das Zeug hält, Musik hören, Navigieren….Man ist schon ganz schön abhängig vom Internet. Das wird mir hier wieder bewusst. Nachdem wir uns Kotor angeschaut haben, machen wir uns auf die Suche nach einem Nachtplatz. Dazu fahren wir auf den Berg zwischen Kotor und Adriaküste. Hier steht die Ruine von Fort Gorazola (1886). Da wird unser Nachtplatz sein. Wir sind zur richtigen Zeit hier oben, denn gerade geht die Sonne unter. Wieder einmal ein wunderschöner Anblick. Leider ist es hier oben wieder sehr windig und eine grade Stelle finden ist auch nicht so einfach. Naja Hauptsache wir schlafen mit dem Kopf oben. Am morgen besichtigen wir die Ruine. Super interessant und gruselig. Man kann komplett rein gehen und über Treppen nach oben, vorbei an dunklen Räumen. Was uns allerdings auffällt ist: der Müll. Das war in Kroatien auch stellenweise der Fall aber hier sind ganze Müllkippen einfach am Straßenrand hinterm Gebüsch. Auch die Ruine ist vollgemüllt.

Durmitor

Wir fahren ins Landesinnere in den Durmitor Nationalpark. Eine beeindruckende Landschaft. Vorbei an Seen, Wäldern und leider auch an Müllbergen. Die Straße windet sich in Serpentinen hoch und wieder runter, dann geht es eine ganze Zeit lange auf gleicher Höhe weiter, bevor es wieder hoch und runter geht. Die Temperatur verändert sich. Wir sehen einen Berg, dessen Spitze weiß gezuckert ist. Auf der Strecke nach Zabljak finden wir einen schönen ruhigen Platz mit etwas Sonne. Ein Schäfer kommt mit seiner Schafherde vorbei. Draußen ist es verdammt kalt. Und die Nacht ist auf gut deutsch: arschkalt. Jetzt kommen Thermohosen und Vlies, sowie weitere Decken zum Einsatz. Aber wir haben so gut wie lange nicht mehr geschlafen. Zum Frühstück gibt es Nutella in Scheiben. Immerhin scheint die Sonne und gibt etwas Wärme. Wir suchen einen Campingplatz in Razvisje auf. Ja unsere Wasserpumpe, ich glaube sie hat endgültig ihre Funktion eingestellt…und duschen wäre auch noch mal ne feine Sache. Wir starten erstmal mit unsere Wanderung zum Schwarzen See (Crno Jezero). Mitten im Wald finden wir wieder eine riesige Müllhalde, neben jeder Menge Plastik auch Matratzen, Schränke, Kloschüsseln…wir sind Fassungslos. Wie kann man diese wunderschöne Natur nur so zumüllen? Schrecklich. Den See erreichen wir recht schnell und wir überlegen noch zu einem weiteren See, ein Gletschersee, zu wandern. Es wird mittlerweile schon früher dunkel. Aber von der Zeit her dürfte es passen. Der Gletschersee entpuppt sich als “Pfütze”. Aber wir haben eine schöne Wanderung und eine tolle Aussicht genossen. Zum Schluß umrunden wir dann noch mal schnell den See im Tal. Ich bin dann froh als wir wieder bei Jolly auf dem Campingplatz sind. Das waren bestimmt an die 18 km. Meine Waden sind kurz vor dem platzen. Die Temperatur in dieser Nacht ist zwar noch frisch, aber nicht mehr so extrem wie in der Nacht davor. Wieder gut geschlafen und sogar draußen in der Sonne gefrühstückt. Wir checken aus und fahren zum Savin Kuk zum Paragliden. Wetter und Wind gecheckt. Hier gibt es sogar einen Lift. Den nehmen wir und stehen an einem ziemlich windigen Startplatz. Wir starten letztendlich ca 100 m tiefer, ich lege einen Blitzstart hin und habe danach fast nur sinken. Sehr komisch. Der Flug dauert keine 5 min und schon stehe ich unten. Sam steht nach 10 min neben mir. Irgendetwas ging dort nicht mit rechten Dingen zu, obwohl die Windrichtung passte.

Es ist gerade mal Mittag, also fahren wir uns noch die Tara Schlucht anschauen. Montenegro besitzt die tiefste Schlucht Europas (bis zu 1300m). Auf dem Weg dorthin springt uns eine alte Frau förmlich vors Auto. Sie quasselt direkt drauf los. Wir verstehen natürlich kein Wort von dem was sie sagt. Ich glaube, sie möchte mitgenommen werden. Wir lassen sie einsteigen und sie freut sich wie ein kleines Kind, hält meine Hand, drückt und herzt mich. Irgendwann ruft sie “Stopp” und möchte aussteigen. Sie erzählt uns noch was in ihrer Sprache, lacht und winkt uns zum Abschied. Wie herrlich war das denn? An der Tara Brücke genießen wir die Aussicht. Und weil wir kleine Adrenalinjunkies sind, machen wir noch eine Zipline über die Schlucht. Kurz aber cool. Weiter geht es in Richtung Tepca zu einem wunderbaren Aussichtspunkt oberhalb des Ortes. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick in die Taraschlucht und auch in die Ferne. Die Sonne neigt sich dem Abend. Wir sollten einen Nachtplatz suchen, fahren tiefer in den Nationalpark und finden den perfekten Aussichtspunkt und Nachtplatz. Wir stehen mehr oder weniger ungeschützt am Strassenrand. Alleine. Hier ist es wieder sehr windig. Aber das kennen wir ja mittlerweile. Die Sonne geht unter. Es wird wieder sehr kalt. Dunkelheit. Dann kommt der Mond und alles ist wieder taghell.

 

Podgorica/Budva

Nach einer ziemlich stürmischen Nacht verlassen wir diesen tollen Ort und nehmen Kurs auf die Hauptstadt Podgorica. Vielleicht kann man dort eine neue Pumpe bekommen? Frische Lebensmittel könnten wir auch noch mal gebrauchen. Im Baumarkt gibt es leider keine Campingpumpen. Die nächste Herausforderung ist Einkaufen. Montenegro hat kyrillische Schreibweise. Also einkaufen nach Bildern. Obst und Gemüse abwiegen? Keine Chance. Aber da haben wir zum Glück Hilfe. Weiter geht es zurück an die Küste. Nach Budva.

Auf den Strassen sieht man immer wieder Vieh frei herum laufen. In der Stadt steht neben uns an der Ampel ein Maulesel mit Wagen, wir überholen Kutschen und Menschen auf Eseln. Auf der einen Seite Strom-Tankstellen für E-Autos auf der anderen Seite gefühlt 50 Jahre zurück mit dem Eselskarren unterwegs. Das am häufigsten anzutreffende Auto ist übrigens der Golf 2 und 3 vorwiegend in Rot 🙂

Budva selber ist dann wieder der Touriort schlechthin. Hotels, Strandpromenade, Restaurants. Wir schlendern am Abend die Promenade entlang bis zur Citadelle von Budva. Der kleine verwinkelte Bereich in der Altstadt ist sehr schick gemacht. Zum Glück sind wir zum Ende der Saison hier. In der Hauptsaison schieben sich hier die Touristenströme nur so durch.

Ich genieße die Sonne am Strand mit meinem Buch. Sam versucht es mal mit einem Marinecenter wegen der Pumpe. Bilgenpumpen, WC-Pumpen und auch Ölpumpen. Jedoch keine 12V-Pumpe für unseren Frischwassertank. Auf der Rückfahrt wird er von der Polizei angehalten. Der Polizist greift durch das Fenster und dreht am Lichtschalter. Sam hatte das Licht nicht an, was hier in Montenegro auch am Tag immer eingeschaltet sein sollte. Dann winkt er ihn weiter. Da hat er ihm einen kleinen Schrecken eingejagt 🙂 Wir müssen erstmal weiter mit unseren zwei 5-Liter Wasserkanistern klar kommen.

Der nächste Morgen beginnt mit 3 kleinen Tornados. Wir sind früh wach und der Himmel bzw. eher die Wolken über dem Meer sehen komisch aus. Das schauen wir uns genau an. Mit unsere Kaffeetasse gehen wir an den Strand. Tatsächlich vom Himmel bis zur Meeresoberfläche zeichnet sich ein pulsierender Schlauch ab. Das ganze sogar 3 mal. Sie treffen irgendwann auf Land. Dann lösen sie sich “in Luft” auf. Der Letzte allerdings nimmt auf seinem Weg noch ein paar Strandliegen und Schirme mit. Zudem wird noch ein festgebundenes Luftkissen mitgerissen was wiederum die Stranddusche, mit der wir gestern noch geduscht haben, einfach aus dem Boden reisst. Voll Krass! Und dann ist alles vorbei. Ein Blick auf die Wetterkarten zeigt uns den Grund für das Phänomen – Konvergenz.  Am Nachmittag sieht Sam einen Paraglider in der Luft. Schnell noch mal Wetterchecken, vor allem wegen der Wetterlage von heute morgen. Alles passt. Ich fahre ihn hoch. Der Startplatz liegt über dem Strassentunnel. Sam startet, hat einen tollen, etwas anspruchsvollen Flug. Schließlich landet er direkt am Strand. Glücklich und zufrieden verlassen wir Budva.

Wir fahren Richtung Ulcinje, nicht weit von der albansichen Grenze entfernt. Wir erreichen “Long Beach”. Super Strand für Kitesurfer. Hier stehen wir direkt am Strand. Der nächste Tag kündigt leider Gewitter an. Am morgen können wir noch einen schönen Strandspaziergang machen. Hier ist endlich noch mal ein Sandstrand. Mit Kühen. Oder eher ihren Hinterlassenschaften. Gegen Mittag beginnt es zu regnen. Das angesprochenen Gewitter fällt nur leicht aus. Zum Glück. Die Wetter-App hatte anderes angekündigt. Wir bleiebn noch eine Nacht bevor es nach bzw. durch Albanien geht.

Kroatien 20.9- 25.9

Es geht nach Kroatien. Es ist bereits dunkel geworden. An der Grenze von Slowenien zu Kroatien wird Jolly erstmal genauestens untersucht. Grenzkontrolle. Kroatien ist zwar in der EU, aber nicht im Schengen-Mitglied. Zigaretten? Sam raucht schon länger nicht mehr. Drogen? Alkohol? Ein bisschen Bier, ein bisschen Wein, ein bisschen Schnaps. Interessiert die Grenzkontrolleure nicht. Medikamente? Wie gut dass die Penner in Frankreich meine ganzen Medikamente geklaut haben. Wir dürfen passieren. Es geht weiter über eine enge, kurvige und hügelige Straße. Kein Auto kommt uns entgegen. Wir finden einen Nachtplatz oben am Berg oberhalb von Bribir. Ein Parkplatz mitten im Gestrüpp. Die Aussicht auf das Meer ist fantastisch. Der Mond steht am Himmel. Auch am nächsten Morgen ist die Aussicht unglaublich. Wir fahren runter an die Küste, nach Crikvenica. Einmal im Meer baden, einmal erfrischen und natürlich duschen 🙂

Heute passt das Wetter zum fliegen. Wir fahren zum Tribalje. Es sind bereits Paraglider in der Luft. Am Landeplatz überlegen wir, wie wir auf den Berg kommen. Es ist ziemlich warm und ich habe ehrlich gesagt keine Lust hoch zu laufen. Aber manchmal hat man eben Glück. Es kommen 2 Deutsche, die auf ihr Shuttle warten. Eine Truppe von 4 Fliegern, die regelmäßig zusammen Fliegerurlaub machen. Sie haben sogar Platz für uns beide. Wir fahren mal wieder eine enge Straße hoch. Gut, dass uns niemand entgegen kommt. Die Straße möchte ich mit Jolly nicht fahren. Leitplanken? Wer braucht denn sowas! Oben angekommen, finde ich den Wind für mich etwas zu stark. Also wieder beobachten. Nach ca. 1 Stunde in der Sonne bruzzeln geht Sam raus und macht den Dummy. Die 4 Deutschen sind sich auch noch nicht einig. Nochmal ca eine Stunde später gehe ich dann auch raus. Ich werde belohnt mit angenehmen Bedingungen. Mein erster 2-Stunden-Flug. Zusammen mit Sam fliege ich den Bergrücken entlang, drehe zusammen mit ihm in der Thermik auf und werde von riesigen Vöglen begleitet. Beeindruckend große und elegante Tiere. Die Aussicht auf das kroatische Meer mit seinen vorgelagerten Inseln ist fantastisch. Die Sonne strahlt uns an. Was ein Flug. Am Landplatz treffen wir unsere 4 Herren wieder. Wir verabreden uns zu einem Bier in der nahegelegen Taverne. Ein netter Abend. Wir dürfen nicht im Auto vor der Taverne übernachten. Es könnte Probleme mit der Polizei geben. Aber wir dürfen später das Auto in den Garten fahren, der als Campingplatz dient und entsprechend angemeldet sein muss. Es steht uns sogar eine Toilette zur verfügung. Am morgen Frühstücken wir noch gemeinsam und dann trennen sich unsere wege wieder.

Heute ist es regnerisch. Unsere fahrt geht an der Küste entlang. Bei Zadar fahren wir einen Campingplatz an. Er liegt direkt am Wasser. Da es mittlerweile nicht mehr regnet und es wieder ziemlich warm ist, gehen wir eine Runde an den Strand zum abkühlen. Auch hier finden uns die Mücken wieder unwiderstehlich. Ich weiß nicht wieviele hundert Stiche ich in den letzten Monaten bereits hatte. Aber eins weiß ich, es juckt jedes mal wie verrückt.

Wir fahren etwas ins Landesinnere, zu den Krka-Wasserfällen. Vorbei an Olivenhainen, Weinfeldern und leider auch an sehr vielen verbrannten Flächen. Leider sollen wir pro Person über 110 Kuna Eintritt bezahlen nur um ein bisschen da rumzulaufen. Da wir auf unsere Reisekasse achten müssen, ist es uns das zu der Uhrzeit nicht wert. Wir fahren wieder Richtung Küste. Alleine die Fahrt war schon sehr schön. Wir kommen auf Höhe Trogir wieder ans Meer. Hier war vor 4 Jahren unser Starthafen für einen wirklich tollen Segeltörn. Erinnerungen kommen hoch. Wir fahren einen Campingplatz hinter Omis an. Direkt an der Küste, Terrassenförmig angelegt. Wir schnappen uns sofort unsere Badesachen und gehen schwimmen. Einfach herrlich. Dazu noch ein Bier im Sonnenuntergang. Was will man mehr? Nach dem Duschen machen wir es uns so richtig gemütlich: Hängematte raus,Kerzen, Lampion, Meerblick und der aufgehende Mond. Dazu eine Flasche Wein. Wir sind ja schon einige Monate und Kilometer unterwegs. Aber hier und jetzt in diesem Moment wird mir klar, dass DAS die Zeit unseres Lebens ist. Das nimmt uns niemand mehr weg. Warum wird mir das jetzt erst bewusst? Ich bin froh dass wir diesen Schritt zusammen unternommen haben. Diese Monate unterwegs werde ich nie vergessen.

Es ist wieder eine unglaublich warme Nacht. Zum Glück habe ich noch den kleinen Ventilator am Bett. Zum Frühstück ist es bereits bewölkt. Trotzdem gehen wir noch mal baden. Es wird immer windiger, die Wellen werden immer höher. Gegen 11.30 Uhr sehen wir von Südosten eine dunkle Wolkenwand auf uns zukommen. Wir verstauen schnell die Hängematte, unsere Stühle und den Tisch und schon geht es los. Sturmböen. Auf dem Meer sieht man immer wieder Gischt-Schleier herankommen. Sie kündigen starke Böen an. Jolly wird ordentlich durchgeschüttelt. Laut Wetterstation haben die Böen eine Geschwindigkeit von über 120 km/h. Der Campingplatzbesitzer rät uns davon ab weiter zu fahren. Die Straße führt direkt an der Küste entlang. Wir wären dem Sturm ausgeliefert. Das ist ganz in meinem Sinne. Ich möchte nicht bei dem Sturm fahren. Also bleiben wir noch eine Nacht. In der Nacht ist es zwar nicht mehr so warm, aber das ganze Auto wackelt immer wieder ganz ordentlich. Der Sturm ist nicht wirklich weniger geworden. Immerhin scheint die Sonne heute wieder. Jolly ist komplett mit einer Salzschicht überzogen. Bevor wir fahren reinigen wir noch die Scheiben und das Solar vom Salz. Den Rest muss der Regen machen. Irgendwann. Langsam geht die Fahrt an der Küste entlang. Ein ca. 10-15 km langer Abschnitt geht durch Bosnien und Herzegowina. Hier tanken wir, weil der Sprit hier günstig ist. Weiter an Dubrovnik vorbei. Riesige Kreuzfahrtschiffe liegen in der Bucht. Vor uns liegt die Grenze von Montenegro.

 

Slowenien 14.9.-20.9

Von unserem Nachtplatz am Plöckenpass, Italien, fahren wir zusammen mit dem weißen VW Bus von Philipp und Elena weiter nach Gemona. Hier meint das Navi es wieder gut mit uns und lotst uns in eine Gasse an deren Ende uns eine enge 90 Grad Kurve erwartet die Jolly leider nicht schafft. Zu lang. Zu dick? Ich liebe ja diese Straßen. Nicht! Zu unserem Glück kommen genau dann als wir zurück setzen wollen ca. 30 Autos der Marke Wiesmann von hinten durch die Gasse. Fast alle mit deutschem Kennzeichen. Selbst diese kleinen Roadster haben Probleme mit der Abbiegung. Natürlich müssen wir uns den ein oder anderen Kommentar anhören. Aber alles nett. Wir schlendern etwas durch Gemona, nachdem wir uns wieder rausmanövriert und unsere beiden Weggefährten wiedergefunden haben. Es ist wieder sehr warm. Nach einem guten Kaffee und gestärkt mit den Resten vom gestrigen Nudelsalat fahren wir endlich nach Slowenien.

Bovec

Über eine (natürlich) enge kurvenreiche Straße gelangen wir nach Slowenien. An einem tollen Aussichtspunkt halten wir, stellen die Autos halb auf einer Wiese, halb in einer Seitenstraße ab und wollen uns ein Bild von der überragenden Landschaft machen. Ein Bus hält hinter uns und photographiert unsere Kennzeichen. Was soll denn das? Als wir zu den Autos kommen fährt er weg. Komisch. Das ist mein erster Eindruck von Slowenien. Landschaft toll, Menschen fragwürdig. Weiter geht die Fahrt nach Bovec. Hier fahren wir zu einem Wasserfall, Slap Virje. Smaragdgrünes kaltes und vor allem klares Wasser. Sam und Philipp sind so mutig und springen rein. Elena und Ich ziehen es vor trocken zu bleiben. Ich bin immer noch etwas skeptisch durch diese Fotoaktion von heute Mittag. Ich möchte nicht frei stehen sondern auf einen Campingplatz. Slowenien und Kroatien habe ich gelesen, sind da etwas strenger, was frei stehen angeht. Wir fahren zu Camping Prijon, direkt an der Soca gelegen. Er ist günstig, hat saubere Duschen und Toiletten. Wir machen ein schönes Lagerfeuer. In dieser Nacht gewittert es. Am folgenden Morgen erwartet uns noch eine freudige Nachricht aus der Heimat: die kleine Maja ist heute Nacht zur Welt gekommen. Sams Schwester Hanna, mit der wir im Mai am Gardasee waren und ihr Mann Daniel sind Eltern geworden. Alle sind wohlauf. Wir freuen uns riesig.

Heute ist das Wetter so lala. Wir machen eine kleine Wanderung an der Soca entlang. Herrlich türkis-blau und stellenweise tief blaues bis grün schimmerndes Wasser. Das sich in mehr oder weniger tiefen Schluchten seinen Weg über die Jahre durch den Fels gesucht hat. Muss man wirklich mal gesehen haben.

Kobarid/Tolmin

Weiter gehts nach Kobarid. Hier ist der bekannte Fliegerberg der Stol. Da wollen wir fliegen, wenn das Wetter passt. Wir checken auf einem Campingplatz in der Nähe ein, Camp Kohen. Zu unsere Überraschung sind einige Paraglider in der Luft. Am Landeplatz, den wir uns schon mal angucken wollen, herrscht reges treiben. Wir gucken uns das eine Zeit lang an. So gut wie jeder Pilot trifft einen Landpunkt von ca 1m Durchmesser. Wie krass sind die denn drauf? Ich bin froh wenn ich das Landefeld noch treffe. Es stellt sich heraus: In den nächsten Tagen ist hier ein Punktlandewettbewerb. Für uns Freiflieger heißt das, wir müssen auf einen anderen Landeplatz ausweichen.

So fahren wir nach Tolmin zum fliegen. Mit Philipps VW Bus geht es eine schlechte, enge Schotterstraße hoch auf den Kobala. Das arme Auto. Aber es ist der offizielle Weg. Oben geht Sam raus zum fliegen. Er kann sich eine weile halten, muss dann aber landen. Nach langem hin und her gehe ich dann auch noch raus. Philipp will den Bus runter fahren. Elena ist sich unsicher. Fährt aber dann im Auto mit. Mein Flug ist auch nicht sehr lang und etwas unruhig. Letztendlich ärgert sich Elena, nicht geflogen zu sein. Beim nächsten Mal 😉 Am Abend zaubern wir zusammen noch mal ein feines Menü: es gibt Burger.

Die Autos werden klar gemacht. Am nächsten morgen checken wir aus. Wassertanks noch mal füllen, Wäsche gewaschen. Für heute haben wir mit “Wolfgang” ein Shuttle auf den Stol klar gemacht. Um kurz nach 10 gehts vom Landeplatz in einem etwas ramponierten Kleinbus ca 45 min eine enge, steile, kurvige Schotterstraße hoch. Die Straße ist zum kotzen schön. Hat zum Glück aber keiner gemacht, es hätte aber nicht viel gefehlt. Oben werden wir noch kurz instruiert und dann machen wir uns fertig. Der Wind ist schon ein wenig strammer geworden. Zuerst geht Elena raus. Sie wollte heute auf jeden Fall fliegen. Über Funk gibt sie uns zu verstehen, dass die Bedingungen gut sind. Sam, Philipp und ich sind kurz danach soweit fertig. Wir wollen nacheinander raus gehen. Zuerst Ich. Rückwärtsstart. Dummerweise drehe ich mich in die falsche Richtung aus und werde ausgehebelt. Ich bin jetzt 360 grad eingetwistet. Suboptimal. Ich fliege vom Hang weg und greife instinktiv noch oben um mich auszudrehen. Puh, das hat funktioniert. Das muss ich aber nicht nochmal haben. Die Leute vom Startplatz sind begeistert. “Cooler Start” höre ich später… Ähm…ne. Die Luft ist thermisch. Ich kann und will mich nicht oben halten. Landeplatz wo bist du? Ich wähle den naheliegenden, wo Elena bereits gelandet ist. Sam fliegt erstmal noch Richtung Italien und wieder zurück. Philipp fliegt bis zum Ausweichlandeplatz. Er holt Elena und mich mit dem Auto ab. Später sammeln wir noch Sam ein. Wir unternehmen noch eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall (Slap Kozjak) in der Nähe. Dann schnell noch mal duschen (auf dem Campingplatz) und weiter geht unsere gemeinsame Reise.

Bohinj

In Slowenien sind gefühlt alle Straßen eng und es geht immer irgendwo einen Berg hoch oder runter. Autofahren ist anstrengend. Gerade wenn es dunkel wird. Wir wollen nach Bohinj. Es dämmert und wir beschließen auf dem Weg dahin eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Sam und Philipp finden den perfekten Ort. Im Wald. Eine Picknickhütte oder ähnliches, mit einem (hoffentlich) unbewohnten Haus. Wir parken unsere Autos und beginnen das Abendessen zu kochen. Ich fühle mich hier gar nicht wohl. Es ist stockdunkel. Es ist unheimlich. Aus dem Wald kommen immer wieder Geräusche und es raschelt. Zu allem Überfluss beginnen die anderen noch Horrorgeschichten zu erzählen. Mit der Stirnlampe leuchten wir immer wieder zum Haus. Man glaubt jedes Mal am Fenster steht jetzt jemand. Aber da ist nichts. Zum Glück. Mir ist weder nach Wein noch nach Bier. Ich will schnell ins Auto und morgen früh zeitig hier weg. Man, was bin ich ein Schisser! Aber: Wir wurden nicht von Wölfen zerfleischt. Auch war kein Massenmörder im Haus. Und die Polizei oder der Förster haben uns auch nicht erschossen.

Wir fahren weiter nach Bohinj. Die Parkplatzsuche gestaltet sich etwas schwierig. Aber wir finden einen geeigneten, der nicht so teuer ist. Nach einem stärkenden Frühstück geht es durch den Wald auf den Berg. Nach ca 50 min erreichen wir den Startplatz und schauen runter auf den See. Sehr schön hier. Dann machen wir uns irgendwann fertig. Auch hier wird der Wind langsam mehr. Sam geht zuerst raus und checkt die Lage. Kleinräumige Thermikbärte, die es in sich haben. Er schafft es etwas Höhe zu gewinnen, es wird ihm aber irgendwann zu anstrengend und geht zum landen. Jetzt ich. Start okay, Luft unruhig. Ich fliege über den See. Da ist es ruhiger. Sam gibt mir über Funk Kommandos. Einseitiger gehaltener Klapper. Rollen. Das hat Spaß gemacht. Danach Elena. Kurvenflugoptimierung. Dann ist Philipp dran. Am Startplatz hat der Wind so stark zugenommen und kommt teilweise seitlich, dass von den anderen Piloten keiner rausgeht. Wir warten unten. Letztendlich ändern sich die Bedingungen nicht mehr, dass Philipp mit den anderen die noch oben sind im Auto wieder runter kommt. Aber lieber vernünftig als ein kaputtes Bein oder schlimmer.

Zum Abschluß des Tages und unserer gemeinsamen Zeit werde wir von unseren Weggefährten Philipp und Elena noch zum Pizzaessen eingeladen. Es ist Zeit auf Wiedersehen zu sagen. Für die beiden geht es weiter nach Frankreich. Vom 7.9.-18.9. waren wir zu viert unterwegs. Eine tolle, lustige Zeit mit angenehmen und entspannten Wegbegleitern. Viel Bier und Wein. Vielen gemeinsamen Erlebnissen und Abenteuern. An dieser Stelle: Danke, dass ihr einen Teil eures  Weges mit uns zusammen gegangen seid. Gerne wieder 🙂

Bled

Sam, Jolly und Ich setzen unseren Weg alleine weiter fort. Hinter Bled finden wir eine Art Campingplatz. Ich will mich noch duschen und mache mich mit meinem Handtuch und Duschgel auf zum Sanitärhäuschen (=Bretterbude mit Klos und Duschen) Ich habe mich grade ausgezogen, meine Sachen aufgehangen und will das Wasser andrehen. Da erblicke ich neben dem Wasserhahn die grööößte Spinne meines Lebens (Wer mich kennt, der weiß, Spinnen und Ich haben kein gutes Verhältnis zueinander. Im nachhinein war die Spinne wahrscheinlich nicht so groß, aber ich war verdammt nah dran) Flink wie ein Wiesel drehe ich mich um, bedecke mich vorne rum mit meinem Handtuch und nehme meine Sachen, um dann schnell rückwärts aus der Dusche zu verschwinden, ohne die Spinne dabei aus den Augen zu lassen. Sie könnte mich ja anspringen. Hinter mir entdecke ich dann meinen nackigen Hintern im Spiegel. Na super. Zum Glück ist keiner da. Ich bervorzuge die andere Dusche im schnellwaschgang. Merke: nicht im halbdunkeln in Bretterbuden duschen.

Gozd

Die Wasserpumpe im Jolly gibt nur noch zaghafte Töne von sich, Wasser kommt fast nichts mehr. Sam schafft es sie zu reparieren. Wir fahren nach Gozd. Am Landeplatz beobachten wir einen Paraglider der gerade zur Landung ansetzt. Wir kommen mit ihm ins Gespräch. Er nimmt uns sogar mit dem Auto mit hoch, somit brauchen wir nicht laufen. Es erwartet uns ein super Startplatz, an dem wir nebeneinander auslegen und starten können. Nach dem Flug essen wir erstmal was. Wir entschließen uns zu einem weiteren Flug. Na dann los. Nach 20 minuten hält ein Auto neben uns an und fragt ob wir mit hoch wollen. Er ist ebenfalls Paraglider und sowieso auf dem Weg zum Startplatz. Jippi. Wieder nicht laufen. Der Flug dauert etwas länger. Ich drehe mit Sam gemeinsam in der Thermik auf. Tolles Gefühl. Irgendwann ist es mir dann zu hoch und ich fliege ab. Ich finde keine neue Möglichkeit und muss landen. Aber ich bin zufrieden mit mir. Irgendwann später (2 Stunden oder so) kommt Sam. Wir kommen mit anderen Piloten ins Gespräch. Die Slowenen sprechen wirklich alle sehr gut Englisch. Nicht wie die Franzosen (a petit). Unserem “Taxi” geben wir noch ein Bier aus. Wir fragen ob wir am Landeplatz über Nacht stehen bleiben können. Dazu parken wir dann nochmal um. So langsam wird es dunkel. Die Mücken haben uns bereits zerstochen. Es beginnt kräftig zu regnen. Als wir das Auto zum schlafen abschließen wollen, funktioniert die Funkfernbedienung nicht. Die Batterie ist rausgefallen! Sie kann sich nur irgendwo hier in der Nähe befinden. Draußen ist alles nass und schlammig. Wir suchen mit Lampen den Untergrund ab. Dabei trete ich leider auf einen ziemlich großen Feuersalamander, der ein quieken von sich gibt. Es sind bestimmt an die 15 dieser Tiere in verschiedenen Größen hier unterwegs und man muss aufpassen wo man hintritt. Ich habe noch nie so große und so viele von den Tieren gesehen. Wir brechen die Suche ab. Morgen bei Tageslicht versuchen wir es noch mal. Und tatsächlich! In der Morgendämmerung haben wir sie wieder gefunden. Gott sei Dank.

Ljubljana

Nun geht es in die Hauptstadt Sloweniens: Ljubljana. Die Straßen werden breiter, das Gelände flacher. Wir gucken uns ein wenig die Stadt an. Zu Fuß und mit dem Rad kann man das am besten. Schlendern durch die Straßen, erklimmen die Burg. Und wieder einmal Traumwetter. Danach noch Lebensmittel einkaufen. Jetzt geht es nach Kroatien…

Jetzt aber! Die letzte große Fahrt. Versprochen. 31.08. – 14.09.

Am 31.8. brechen wir nun zu unserer letzten großen Fahrt auf. Endlich. Und wieder verabschieden wir uns von all unseren Lieben. Wie oft haben wir das in den letzten 5 Monaten getan? Zu oft. Aber lieber einmal zu viel als zu wenig. Auf dem Weg fahren wir noch bei Sams Bruder Tim in Rath vorbei. Verabschieden uns von ihm und seiner Frau Jule, den beiden Mädels und dem kleinsten, der im April geboren ist. Wir kennen uns noch nicht so gut. Der Abend ist noch jung. Also, ab nach Aachen. Wir besuchen Jan und Nina. Gleitschirmflieger mit denen wir in der Vergangenheit schon in Coo und an der Mosel bzw. Eifel fliegen waren. Mit den beiden sitzen wir dann bis kurz vor 4 Uhr am morgen noch in einer Kneipe. Lustiger Abend. Wie lange war ich schon nicht mehr so spät nachts unterwegs? Ewig her. Da wir etwas außerhalb geparkt haben, radeln wir im dunkeln zu Jolly. Aachen ist ganz schön hügelig. Rausch ausschlafen und einkaufen gehen. Wir wollen heute Abend grillen. Es gibt am Dreiländerpunkt einen super Soaringhang. Dort in der Nähe parken wir. Wir wollen uns später mit Jan hier treffen. Aber jetzt erstmal was “Frühstücken”. Es ist mittlerweile 11 Uhr. Während wir in unserem Jolly sitzen und essen, kommt ein ca. 12 jähriger, rothaariger Junge und fragt uns, ob wir Arbeiter wären und was wir hier machen würden? “Frühstücken.” Gut, dann würde er jetzt den Abschleppwagen rufen. Was ist denn mit dem kaputt? Eingeschüchtert von einem 12-Jährigen verlassen wir nach dem Frühstück unseren Parkplatz und fahren ein Stückchen zurück. Dann schlafen wir noch mal was. War ja spät die Nacht. Nachmittags kommt Jan und wir fahren mit ihm wieder zu unserem Parkplatz vom Morgen. Auch der Junge ist wieder da, sagt aber diesmal nichts. Wir gehen zum Hang, fliegen und handeln was das Zeug hält. Nicht hoch, nicht lang, aber gutes Training für mich. Nina kommt später auch noch dazu. Als es dunkel wird, packen wir ein und fahren mit Jolly auf den Parkplatz von heute Mittag. (Wir wurden übrigens nicht abgeschleppt 🙂 ) Super zum grillen. Wir zaubern ein feines Menü zusammen und lassen es uns schmecken. Am nächsten Tag unternehmen Sam und ich ein Radtour zum Dreiländerpunkt. Hier treffen Deutschland, Belgien und die Niederlande aufeinander. Touri-Gegend. Danach versuchen wir uns noch mal am Hang, aber der Wind ist zu stark. Kein Risiko eingehen. Wir fahren zu Jan nach Hause. Dort quatschen und essen wir was. Später gehen wir noch in den Park um Wikinger-Schach zu spielen. Wieder ein lustiger Abend. Übrigens Team Nina-Nathi gewinnt. 🙂 Zum Frühstück sind wir dann noch mal bei Jan und brechen danach auf. Wir haben ihn schon genug vom lernen abgehalten. Aber es waren tolle Tage mit noch tolleren Menschen.

Es geht Richtung Süden, vorbei an Bamberg. Naja, nicht ganz. Hier wohnt unser Freund Fischi (Markus). Mal gucken ob er zu Hause ist. Er hat heute seinen ersten Arbeitstag nach seinem Urlaub. Wir bringen ihn ein wenig aus dem Konzept mit unserem Spontanbesuch. Aber er freut sich uns zu sehen. Wir haben ihn im Juni bei BlueSky kennen gelernt. Ein herrlicher Mensch. Viel Spass mit ihm gehabt. So auch heute Abend. Bis 2 Uhr sitzen wir zusammen. Vom Hölzchen übers Stöckchen…Aber er muss morgen früh wieder zeitig raus. Ab in die Heia. Unsere Reise geht weiter Richtung Chiemsee. Sam ist beim Groundhandeln in Aachen eine Bremsleinenummantelung kaputt gegangen. In Marquartstein bei Skywalk holen wir eine Neue. An der Tiroler Ache übernachten wir. Zusammen mit einigen Mücken.

Wir fahren nach Kössen, Österreich. Zu Fuß geht es auf das Unterberghorn. Es geht in die Luft. Guter Start. Ich kann mich sogar etwas mit meinem Alpha halten. Schöner Flug. Souveräne Landung. Ich finde mich gut :D. Zurück am Jolly spielt unsere Wasserpumpe verrückt. Da hilft nur noch ausschalten. Was hat sie nur? (In den nächsten Tagen wird sie sich leider langsam von uns verabschieden)

Am nächsten Morgen sind wir wieder auf Deutscher Seite. Mit Blick auf das Watzmannmassiv schmeckt der Kaffee besonders gut. Wir reisen weiter nach Schönau am Königssee. Heute endlich mal einen Klettersteig machen. Seit April fährt auch unsere Klettersteigausrüstung mit. Jetzt kommt sie zum Einsatz. Der Grünsteinklettersteig ist etwas anspruchsvoll, aber macht auch viel Spass. Belohnt wird man natürlich mit grandioser Aussicht. Wieder am Jolly schnallen wir die Räder ab und wollen baden. Sind ja total verschwitzt. Komischerweise badet niemand im Königsee. Wir wollen nicht die einzigen sein. Wir radeln ein Stückchen zurück und gehen in den türkisblauen Fluss baden. Soooooo kalt. Oder erfrischend? Zumindest mal sauber. Das war ein schöner Tag.

Am nächsten Morgen hängen die Wolken tief. Es regnet. Aufbruch. Nächstes Ziel: Faaker See. Auf dem Weg dorthin haben wir kleine Probleme mit unserem Navi. Über das Radio erfahren wir vom “Dolomitenmann” in Lienz. Eine Veranstaltung bei der Teams in 4 Disziplinen gegeneinander antreten: Berglauf, Paragliding, Mountainbike, Kanu. Hört sich spannend an, zumal Bekannte von uns daran teilnehmen. Kurzerhand biegen wir von unserer eigentlichen Route ab Richtung Lienz. Informationen holen wir uns über das Internet. Bei Facebook interessiere ich mich für die Veranstaltung. Es dauert nicht lange, da bekomme ich eine Nachricht von Elena. Ob wir in Lienz sind? Ja! Cool, wir kommen auch dahin. Wir treffen uns mit Elena und Philipp. Die beiden haben etwas länger Urlaub. Wir kennen sie von BlueSky und mit Philipp waren wir ja vor kurzem noch an der Mosel (siehe Fliegen mit Freunden (26.5.-10.6.) oder Kleine Rundreise: Allgäu, BlueSky, Wasserkuppe, Mosel (14.8.-26.8.) ). Beide kommen aus Köln. Wir treffen uns in der Nähe von Lienz mit ihnen. In einem Waldstück bei Winkeln in den Hohen Tauern an einer Feuerstelle schlagen wir unseren Nachtplatz auf. Bier und Wein … Am folgenden Morgen werde ich geweckt, weil Kühe um uns herum stehen. Seelenruhig schauen sie sich unser Auto an, Fressen etwas, gehen weiter. Frühstücken wollen wir in der Sonne. Also fahren wir wieder ein Stück Richtung Lienz. Finden sogar einen Steintisch mit Bänken in der Sonne. Nach einem gemütlichen Frühstück folgt wie immer der Abwasch. Da wir nicht ganz gerade stehen rutschen leider 3 unserer großen Teller von der Jollyaussentheke und zersplittern auf dem Boden. Blöd. Naja, wir haben ja noch Plastikteller.

Ab gehts zum DolomitenMann 2018. Wir gehen ins Stadion. Dort landen die Paraglider ein. Die Bergläufer sind bereits unterwegs und einige haben schon mit den Paraglidern abgeklatscht. Diese müssen ebenfalls ein Stück den Berg hochlaufen, Starten dann mit ihrem Schirm, machen eine Talquerung, landen am gegenüberliegenden Berg ein, laufen nochmal ca 300 m Berghoch und starten dann erneut ,um dann im Stadion einzulanden, wo sie nach einem kurzen Sprint mit den Mountainbikern abklatschen. Spektakulär. Wir sitzen auf der Wiese neben den Zuschauerrängen und schauen uns das Spektakel an. Die Stimmung ist super. Einer nach dem Anderen landet und rennt durchs Ziel. Die Mountainbiker sprinten ebenfalls los. Manch eine Landung ist nicht wie aus dem Lehrbuch. Hauptsache runter und schnell ins Ziel. Der Wind frischt auf. Lienz hat in der Regel immer einen starken Talwind. Ein Pilot ist fast über uns. Er bekommt einen Klapper, vermutlich durch das Lee der Baumreihe ausgelöst. Er versucht gegenzusteuern, reißt dann leider die Strömung ab und stürzt mehr als 5 Meter vor uns zu Boden. Er hat noch Glück, dass er die Seitenbande nur um 10 cm verfehlt. Das Geräusch des Aufschlags ist heftig. Es werden sofort Erste-Hilfe Maßnahmen eingeleitet. Der Verletzte wird abtransportiert. Später wird bekannt gegeben, dass er keine ernstzunehmenden Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule hat. Aber eine  Rippenserienfraktur und eine Beckenfraktur. Die Stimmung ist gedämpft. Ich habe jetzt Angst um jeden der zu weit an uns heran fliegt. Aber es passieren keine weiteren Unfälle. Zum Glück. Nachdem alle heile gelandet sind, gehen wir uns die Kanuten anschauen. Die kommen nach den Mountainbikern und sind die letzte Disziplin. Der Zieleinlauf ist auf dem Marktplatz. Dort müssen die Kanuten zusammen mit ihren Kajak ins Ziel laufen. Viele brechen vollkommen erschöpft danach zusammen und werden von ihren Teamkollegen gefeiert. Viele Verletzte humpeln hier rum, oder haben den Arm in der Schlinge, Verbände und Pflaster. Hart-Härter-Dolomitenmann. Auf der Siegerehrung und After Show Party geht noch mal richtig die Post ab. Wir treffen viele bekannte Gesichter. Eigentlich lustig, so weit von zu Hause weg. Aber es sind viele, die wir über die ca. 30 km entfernten Flugschule kennen.

Eintreffen von Chrigel Maurer im Stadion:

Wir haben die Nacht auf dem Parkplatz am Stadion verbracht. Wir wollen zusammen mit Philipp und Elena weiterreisen. Es geht nach Obertilliach. Kennen wir alle nur zu gut vom fliegen. Am oberen Startplatz lege ich meinen ersten Rückwärtsstart hin. Souverän. Dafür ist der Flug nicht so entspannt. Aber die Landung wieder 1a. Wir übernachten am Biathloncenter. Haben wir auch schon öfter gemacht. Dort wollen wir uns im Fluss waschen. Das ist die kälteste Badewanne in der ich je war. Füße taub. Gehirnfrost. Aber sauber.

Der 10. September ist mein Geburtstag. Ich bekomme von unseren neuen Weggefährten und Sam ein Ständchen gesungen. Wir frühstücken gemütlich und machen uns dann auf den Weg nach Sillian zur Flugschule. Auch dort bekomme ich Glückwünsche von lieben bekannten Menschen. Philipp und Sam leihen sich hier Testschirme aus. Zurück nach Obertilliach. Heute gehen wir alle zu Fuß hoch. Anstrengend. Schweißtreibend. Aber: Hab ich mir so gewünscht. 🙂 Nach dem Flug noch mal frisch machen. Wir haben übrigens am Morgen entdeckt, dass es am Biathloncenter duschen gibt. Die suchen wir dann mal auf. Warm. Nicht so wie dieser Eisbach von gestern. Zurück an der Flugschule trinken wir das ein oder andere Bier und gehen dann in einer kleinen Gruppe ins Insime essen. Ein schöner Tag. Tolles Wetter. Nette Menschen. Viele Geburtstagsgrüße via Facebook, WhatsApp oder Telefon. Danke! Den Tag danach frühstücken wir beim örtlichen Bäcker und fahren wieder nach Obertilliach. 2 Flüge sind drin. Am folgenden Tag sind ebenfalls 2 Flüge drin. Aber dieses mal traue ich mich ein paar Kreise zu machen. Und schwups bin ich oben und kann den Großglockner sehen. Schnee. Gletscher. Was eine Aussicht auf die Dolomiten. Mega! Gewaltigst. Irgendwann gehe ich landen und habe noch Stunden später ein breites grinsen im Gesicht. Das war cool. Am 13.9. verlassen wir Sillian wieder. Sonst kommen wir niemals weiter. Dann war das keine Europareise, sondern eine Alpenreise, vorwiegend Schweiz und Österreich. 🙂 In Greifenburg machen wir es uns noch an einem Badesee gemütlich. Heute mal nicht fliegen. Dann geht die Reise zusammen mit unseren Weggefährten weiter in Richtung Gemona. Am Plöckenpass machen wir es uns gemütlich zum grillen. Wir sind in Italien und kurz vor Slowenien.

Kleine Rundreise: Allgäu, BlueSky, Wasserkuppe, Mosel (14.8.-26.8.)

Wir haben jetzt alles beantragt, was fehlt. Meine Sachen sind wieder da. Aber jetzt noch 2 Wochen zu Hause auf den Führerschein warten? Nö! Meine Schwester fährt mit Ihrer Familie ins Allgäu. Die könnten wir doch besuchen. Ich freue mich meine Familie zu sehen und ein paar Tage mit ihnen zu verbringen. Mein Komplize Tobi (Schwager) versorgt uns mit Standorten und Neuigkeiten. Wir werden die 5 bzw. 4 Überraschen. Also starten wir am Abend des 14. August Richtung Füssen. Am Hopfensee übernachten wir. Nach Ankunft in der Nacht machen wir nur kurz die Augen zu. Pünktlich um 9 kommt das Auto meiner Schwester vorgefahren mit 8 ziemlich großen Augen und einem breit grinsenden Tobi. Meine Schwester Miri und die Kinder Felix, Leni und Henry freuen sich unheimlich. Nach ausschwänglicher Begrüßung teilen wir uns auf. Tobi, Sam und Felix machen einen Klettersteig an der Gartnerwand. Miri, Leni, Henry und ich fahren zum Heiterwangersee. Wir haben alle einen tollen Tag. Vor allem meine Schwester ist glücklich, weil Tobi den Kindern versprochen hat mit allen alleine was zu unternehmen. Jetzt bin ich da und sie ist nicht alleine mit den anderen beiden. Alle Kinder wachsen über sich hinaus. Leni und Henry, die mit uns eine weite Strecke wandern. Ohne großes Murren. Felix der zusammen mit Sam und Tobi ordentlich Höhenmeter macht. Abends kochen und essen wir gemütlich zusammen. Die 5 sind in einer schönen, kinderfreundlichen Ferienwohnung untergebracht.

Heute fahren wir gemeinsam nach Nesselwang. Tobi bekommt Flugstunden von Sam. Ein paar kleine Hüpfer vom Übungshang mit Sam als Fluglehrer. Alle haben Spass. Vor allem Tobi hat wieder ein breites grinsen auf dem Gesicht. Sam geht im Anschluss noch auf den Berg zum fliegen. Ich fahre mit den anderen eine Imkerei besichtigen. Sehr interessant was diese Bienchen alles können. Danach gehen wir noch einkaufen für das Abendessen. Ich hole Sam nach seiner Landung ab. Wir treffen uns alle zum Baden am Hopfensee. Später wird wieder lecker zusammen gekocht. Es ist wieder ein lustiger Abend.

Am nächsten Morgen geht es ins Tannheimer Tal. Heute ist Leni dran. Sie wandert mit Tobi Sam und mir auf das Neunerköpfle. Miri, Felix und Henry machen es sich im nahegelegenen Seebad gemütlich. Sam und ich haben natürlich unsere Gleitschirme mit. Leni schlägt sich gut mit ihren 7 Jahren. Wir müssen noch etwas geduld haben bis der Wind zum Starten richtig steht. Tobi und Leni machen sich bereits an den Abstieg. Ich habe einen ruhigen Flug, kann mich aber leider nicht lange halten. Ich lande und fahre mit Jolly zum Seebad. Dort treffe ich die 3 anderen und mache es mir auf der Decke bei meiner Schwester gemütlich. Felix hat Kopfsprünge geübt. Henry den Steg mit Sand eingerieben 🙂 Vom Boden aus können wir Sam sehen. Er fliegt zum See und landet auf der nahegelegenen Wiese. Gleichzeitig kommen Tobi und Leni von ihrem Abstieg zum Ziel. Alle wieder vereint. Schnell etwas Abkühlen. Sam und Ich verabschieden uns von den 5. Wir wollen weiter nach Sillian (mal wieder zu BlueSky). Da ist Sommerfest. Außerdem sollen die 5 noch ihren Familienurlaub zu Ende genießen.

Ab zum BlueSky Sommerfest. Die Fahrt verläuft entspannt. Wir erreichen Sillian um kurz vor 23 Uhr. Erstmal schlafen. Nach ausgiebiger Begrüßung gehts zum Fliegen auf den Thurntaler. Mein erster Flug vom Sillianer Hausberg. Der Thurntaler ist mit einer Gondel zu erreichen. Wenn sie dann mal fährt. Ein wunderbarer Flug. Ich wusste von Heiko (mein alter Chef), dass er Urlaub hat und in die Alpen zum fliegen wollte (Im Mai hat er seinen Schein gemacht, wir waren dort Gardasee, Idrosee, Brenta, usw.). Ich hab ihm einfach mal erzählt, dass wir in Sillian sind. Spontan dem schönen Wetter folgend kommt er uns besuchen. An der Theke wird bei Susanne noch schnell ein Zimmer für ihn klar gemacht. Und dann geht so das ein oder andere Bierchen über die Theke. Bei guter Musik und kleinen Karaoke-Einlagen. Es wird spät. Den nächsten Tag lassen wir dann langsam angehen. Nach einem guten Frühstück geht es nach Obertilliach. Am Startplatz Scheibe herrscht viel Wind. Wir beobachten die anderen Piloten. Plötzlich ruft ein Pilot, dass jemand abgestürzt sei. Wir gehen auf die Suche nach ihm. Sam geht immer tiefer in den Wald. Heiko und Ich gehen zurück. Nach gut 1,5 Stunden kommt Sam mit dem unverletzten Piloten und noch einem Helfer zum Startplatz zurück. Der Kerl darf heute seinen 2. Geburtstag feiern. Heiko und Ich entschließen uns die Gondel wieder nach unten zu nehmen. Sam geht noch raus und fliegt bis nach Sillian. Ich verabschiede mich von Heiko, der heute noch weiter muss. Am folgenden Tag wollen wir dem Fluglehrer Norbert bei der Feldarbeit helfen. Wir haken das Silo vom steilen Hang herunter. Ungewohnte Arbeit für uns. Blasen an den Händen sind das Ergebnis. Aber es hat Spaß gemacht. An unserem letzten Tag in Sillian wird’s “prominent”. Cilli aus Tirol, eine lokale Schlagersängerin, macht einen Musikvideodreh im Tandem in Obertilliach. Dafür wird Sams GoPro gebraucht. Wir bleiben aber in Sillian und gehen zu Fuß zum Stalpen hoch. Der Wind steht gut, so dass wir über längere Zeit am Hang soaren und sogar am Thurnthaler aufdrehen können. Herrlich. Als wir wieder an der Flugschule sind, müssen wir noch auf die GoPro warten. Endlich kommt sie und wir brechen auf.

Zurück nach Deutschland. Wir sind mit Chris verabredet. Den haben wir 2014 auf unserem Segeltörn in Kroatien kennengelernt. Um halb 9 treffen wir bei ihm zu Hause in Burggen ein. Es wird gegrillt. Er und seine Freundin Jenny haben es auf ihrer Terrasse richtig schick. Beim Grillen bekommen wir Gesellschaft von Nachbars Katze. Diese ist sehr zutraulich und springt rei um mal auf den Schoß. Als ich sie runter setzen will, tue ich ihr scheinbar weh. Sie beißt mich 4-5 mal in meine rechte Hand. Ich blute wie sau. Schöne Scheiße. Abwaschen. Desinfektionsspray drauf. Pflaster drüber und abwarten. Obwohl mit Katzenbissen nicht zu spassen ist. Wir sitzen noch lange zusammen und trinken Bier. Ich spüre meine Hand. Aber es geht. Am nächsten morgen frühstücken wir gemeinsam. Die beiden müssen auch bald arbeiten. Danach suche ich erstmal eine Apotheke auf. Die blöden Typen in Frankreich hatten ja auch alle meine Medikamente geklaut. Schön Salbe drauf. Verband drum und beobachten. Bisher ists nicht schlimmer geworden. Wir fahren nach Rottenbuch. Dort schnallen wir die Räder ab und radeln zum Schwaigsee. Ein bisschen baden, ein bisschen genießen. Ein Hüngerchen überkommt uns. Wir nehmen Kurs auf die Schönegger Käse-Alm, die Chris und Jenny uns empfohlen haben. Eine leckere Käseplatte. Wir lieben Käse. Zurück am Jolly, mit Käseproviant, gehts auch schon wieder zu Chris nach Hause. Wir radeln dort an die Litzauer Schleife. Chris kommt mit ein paar Bier bepackt dazu. Wir genießen die Aussicht und quatschen. Es wird dunkel und wir verlagern das Biertrinken in Chris Wohnzimmer. Nicht so lange wie gestern. Das Frühstück ist heute ohne Chris, der ist bereits arbeiten. Wir verabschieden uns danach von Jenny. Ein Besuch bei ganz herrlichen Menschen und ganz herrlicher Umgebung.

Weiter gehts nach Kempten. Dort spielt das Wetter nicht so mit. Ich kann Sam zu einem Museumsbesuch überreden. Alpinmuseum. Ich glaube wir waren in über 12 Jahren 2x in einem Museum. Heute ist das 2. Mal 🙂 Zur Belohnung gibt es danach noch eine gute Portion Käsespätzle. Wir reisen Richtung Norden. Der Heimat entgegen. Eine große Gewitterzelle zwingt uns zum Umweg. Kurzerhand fahren wir an die Wasserkuppe. Ein wunderbarer Nachtplatz am Wald beim Guckaisee. Nach einer guten Nacht, einzig die Eulen haben sich hin und wieder unterhalten, fahren wir hoch zum Wasserkuppen-Flugplatz. Das Wetter ist nicht besonders. Unglaublich frisch ist es geworden. Sam nimmt seinen Schirm mit und wir gehen ein bisschen Groundhandeln. Bis die nächste Regenfront im anmarsch ist. Wir machen es uns den Rest des Tages im Auto gemütlich. Der folgende Tag ist Wettertechnisch nicht besser. Gegen Mittag wird es laut. Die Sonne kommt auch langsam raus. Es ist kalt. Jolly steht mit einem Mal inmitten von unzähligen Chevrolet Camaro. Ein lustiges Bild. Wir entschließen uns an die Mosel zu fahren. In Lasserg ist Fliegerfest. Und etwas besseres Wetter. Dort treffen wir dann Philipp aus Köln. Den hatten wir schon bei BlueSky mit seiner Freundin Elena getroffen Fliegen mit Freunden (26.5.-10.6.). Wir grillen und trinken. Nach einer kalten Nacht scheint wieder die Sonne. Karl aus Köln kommt ebenfalls dazu. Fliegen ist allerdings so eine Sache. Der Wind kommt nicht aus der richtigen Richtung. Einen Windenschein habe ich nicht. Wir fahren nach Maring Noviand. Dort geht es besser. Am Abend machen wir uns dann auf den Heimweg. Ab nach Hause und Sams Führerschein abholen.

Dune du Pilat (29.7.- 6.8.)

Kurztripp an die Westküste Frankreichs

Bevor wir starten muss das Auto wieder beladen werden. Alles was zuvor für den TÜV rausgeräumt wurde, muss wieder rein. Einkaufen. Geld holen. Aufbruch zur letzten großen Tour. Schnell noch von allen verabschieden. Natürlich geht das alles nicht so flott. Aufbruch ist letztendlich um halb 6. Weit kommen wir heute nicht mehr. Aber immerhin bis nach Frankreich. Wir sind zurück im Chill-Modus. Alles entspannt angehen. Bei Reims bzw Juvigny übernachten wir. Nach einer ruhigen Nacht geht es gegen 10 Uhr weiter nach Westen. Über Landstraße reisen wir gemütlich vorbei an Getreidefeldern, Sonnenblumen, Wäldern, Städten. Es ist warm. Gegen halb 10 am Abend erreichen wir dann die Westküste hinter Bordeaux. Es ist immer noch sehr warm. Wir schauen uns die Düne bei Sonnenuntergang an. Da darf ein „Landebier“ im Sand nicht fehlen. So was habe ich auch noch nicht gesehen. Die größte Wanderdüne Europas. In der Nähe finden wir einen Platz wo bereits andere Camper für die Nacht bereit stehen. Auch hier haben wir wieder eine ruhige Nacht. Zum fliegen an der Düne ist heute kein Wind. Also fahren wir ein Stückchen weiter nach Arcachon. Direkt einen super Parkplatz für die Nacht gefunden. Super Strand mit Toiletten und Duschen. Wir verbringen den Tag mit baden und sonnen. Abends sitzen wir noch gemütlich bis nach 23 Uhr draussen. Heute steht der Wind besser an. Wir suchen einen geeigneten Parkplatz in der Nähe der Düne. Da wir gestern im Schatten geparkt hatten und der Kühlschrank bei der Hitze ordentlich was leisten muss, brauchen wir für unsere Batterien heute einen Sonnenplatz. Heißt auch, dass wir weit gehen müssen. Ich trage die Badesachen, Sam den Gleitschirm. Durch Sand sehr anstrengend. Für ihn mehr als für mich. Die Sonne brennt unheimlich. Ich mache es mir am Strand gemütlich. Sam versucht bei wenig Wind seinen Schirm zu händeln. Mit mäßigem Erfolg. Weniger Wind als in den Prognosen vorhergesagt. Schade. Da wir beide wieder voll mit Sand, Salz und Schweiß sind wünsche ich mir eine Dusche. Zurück nach Arcachon. Der nächste Tag verläuft ähnlich. Wir parken etwas näher als gestern. Der Weg ist immer noch zu weit. Wieder zu wenig Wind. Wieder Sand, Salz und Schweiß. Wieder nach Arcachon. Auf ein neues. Leider zeigt heute der Wind vermehrt Nord an. Aber Sam hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir parken Jolly vor einem Campingplatz und gehen den direkten Weg über die Düne. Mit Gepäck den heißen Sand die steile Düne hoch. Übel. Ich habe mir heute einen Sonnenschirm gekauft. Mir ist das zu heiß in der prallen Sonne. Außerdem kann ich den Stecken jetzt beim hochkraxeln super zur Hilfe nehmen. Ich chille unter meinem neuen Babyblauen Sonnenschirm. Sam versucht den Hauch von Wind zu nutzen, kommt aber nach kurzer Zeit zum Handtuch und entscheidet sich fürs Wasser und im Schatten schlafen. Blöder Wind. Für den nächsten Tag ist allerdings ein 20er Wind ab Nachmittag vorhergesagt. Perfekt. Ich gehe morgens eine Runde Fahrrad fahren. Danach der gleiche Ablauf wie in den letzten Tagen. Aber: besserer Parkplatz, bessere Route. Und wieder zu wenig Wind :(. So was blödes.
Wir erleben eine unglaublich warme Nacht. So unerträglich warm, dass das geöffnete Fenster und der Ventilator nicht reichen. Wir schlafen mit offener Schiebetür. Gerädert von der Nacht lassen wir es wieder langsam angehen. Nach einer kleinen Fahrradtour geht es gegen 15 Uhr wieder zur Düne. Wir parken den dicken Jolly an der viel befahrenen Straße ein paar Meter weiter weg vom Campingplatz. Schleppen wieder alles an den Strand. Und wieder reicht es nur für ein paar kleine Hüpfer. Ich lese, schlafe, genieße. Gegen kurz vor 7 machen wir uns auf den Rückweg zu Jolly. Wir wollen noch ein letztes mal in Arcachon übernachten und morgen weiter südlich. Aber da hat uns jemand einen Strich durch gemacht. Als wir näher an Jolly heran kommen, sehe ich, dass die Hintertüre nur angelehnt ist. Sofort fangen meine Beine an zu zittern. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich war mir sicher, dass ich die zu gemacht habe und auch noch mal dran gerüttelt habe. Verdammt. Wir öffnen dir Türe und sehen das Notebook auf dem Bett liegen. Glück gehabt. Oder doch nicht? Das Bettlaken ist schmutzig. Sofort suche ich nach meiner Tasche, die ich natürlich nicht mit an den Strand genommen habe. WEG! Sams Portemonnaie. WEG! Scheiße. Alle Dokument. WEG! EC- und Kreditkarten. WEG! Dann bemerkt Sam, dass unsere Essensvorräte auch weg sind. Zudem meine Medikamententaschen, ein paar Kleidungsstücke und die Bettdecken! Ich fass es nicht?! (Man muss dazu sagen, wir hatten Glück im Unglück. Der Ersatzschlüssel war auch im Auto und lugte aus der Hosentasche meiner Hose hervor die auf dem Boden lag. Das ganze Auto hätte weg sein können. Das wäre eine Katastrophe gewesen. Das passiert uns ab jetzt nicht mehr) Als erstes EC und Kreditkarten sperren. Vor lauter Stress fällt mir meine blöde Bankleitzahl nicht mehr ein. Nach ca 10 min und mehrmals telefonieren mit meiner Schwester, schaffe ich es dann. Sam hat Probleme eine Kreditkarte zu sperren. Schafft es aber auch irgendwann. Hoffentlich waren wir schneller als Die.
Wie ruft man in Frankreich die Polizei? Die 110 ist es nicht. Internet zum googlen ist mau. Also sprechen wir Passanten an. Wir können nicht wirklich Französisch. Also versuchen wir es mit der Weltsprache Englisch. Doch weder Jung noch Alt kann sich auf englisch verständigen! Mit Händen und Füßen schaffen wir es einem Pärchen klar zu machen, was uns wiederfahren ist. Diese nennen uns die Nummer der Polizei. Sam probiert es und wird schnell abgespeist. Es gibt offenbar keinen Polizeibeamter, der uns auf Englisch helfen kann. Damit ist die Sache erledigt. Danke für nichts. Zufällig kommen 4 Fahrradpolizisten vorbei. Wir halten sie an. Sie sagen uns in gebrochenem Englisch, dass wir Morgen (weil heute ist ja Sonntag) in Arcachon auf dem Kommissariat eine Anzeige aufgeben sollen. Sie können nichts machen. Ja bin ich denn hier im falschen Film oder was? Man ist echt verloren und alleine gelassen. Wir suchen noch bis es dunkel wird das umliegende Gebüsch ab.  Vergebens. Dann fahren wir wieder an unseren bekannten Platz. Das einzig schöne an diesem Tag ist, dass sich ein deutsches Pärchen neben uns stellt und wir bis 2 Uhr draussen sitzen und quatschen. Ablenkung. Schlafen müssen wir ohne Bettdecken. Da schläft jetzt wer anders drin 🙁 Zum Glück haben wir noch ein Ersatzbettlaken. Was zu essen bekommen wir auch noch hingezaubert. In den Schubladen vorne konnten wir noch Nudeln und Zutaten für eine Sauce finden. Den Alkohol haben sie zum Glück nicht geklaut. Prost.
Was eine beschissene Nacht. Viel zu heiß. Viel zu viele Gedanken. Wie sind die in das Auto gelangt? Wir haben nichts entdeckt. Wir radeln ohne Frühstück, uns ist nicht danach, zur Polizei. Dort sitzt wenigstes eine nette Frau die etwas englisch spricht. Man will Fingerabdrücke nehmen. Na super. Also zurück radeln und Jolly holen. Bei genauer Untersuchung, zeigt uns der Polizist, dass die Einbrecher einfach den Schließzylinder ausgestanzt haben und nur das Plastik berührt haben. Keine Fingerabdrücke zu holen. Schade. Wir warten weiter um eine Anzeige aufgeben zu können. Scheinbar ist damit nur ein Polizist beauftragt und der hat viel zu tun. Als wir an der Reihe sind macht er uns klar, dass er jetzt Mittag machen möchte. Wir mögen bitte um 2 Uhr wieder kommen und sollen dann bevorzugt behandelt werden. Natürlich alles auf Französisch. Immer noch im falschen Film? Wir warten im Auto. Essen mal was. Jetzt bricht alles aus mir raus. Ich heule wie ein Schlosshund. Wir sind so Hilflos. Ich bin so stinkewütend. Und dann kommt da noch so eine blöde Tusse und verscheucht uns vom Parkplatz. Ich bin kurz vorm Explodieren. Um kurz vor 2 gehen wir dann wieder ins Kommissariat. Aber da ist schon wer anders bei unserem Polizisten. Ich muss mich stark zusammen reißen. Nicht heulen, nicht explodieren. Wir haben in der Nacht noch alle Daten aufgeschrieben und alle Dinge notiert die verschwunden sind. Dies alles durch den Google-Übersetzer. Vereinfacht einiges. Wir kommen dann um viertel vor 3 dran und brauchen fast 1,5 Stunden für die blöde Anzeige. Obwohl wir vorbereitet sind. Er checkt vieles nicht. Wir sprechen kein Französisch und er kein Englisch.
Um 5 Uhr sitzen wir im Jolly. Ziel: Heimat. Weiterfahren macht keinen Sinn. Wir haben keine Ausweise. Keinen Führerschein. Keine Geldkarten. Nur ein paar Blätter Papier mit einer Anzeige zur Vorlage. Gegen 23 Uhr meldet sich die Tankanzeige. Keine Tanke weit und breit. Auf den letzten Tropfen finden wir noch eine die geöffnet hat und Bargeld nimmt. Das haben Die zum Glück nicht gefunden. Tanken. Weiter. Wir fahren noch bis halb 3. Schlafen. Weiter. Wir erreichen unser Ziel um halb 7 Uhr am Abend. Das war ein Kurztrip. Grade mal 10 Tage hat unsere „letzte große“ Tour gedauert. So kann es gehen. Schade. Auf Frankreich habe ich keine Lust mehr.

Gleich am nächsten Tag gehen wir neue Personalausweise und Führerscheine beantragen. Das geht alles unglaublich flott, wenn man von den Behörden aus Frankreich kommt. Es gibt noch ein kleines Happy End: 3 Tage nach dem wir wieder zu Hause sind, meldet sich eine nette Französin via Facebook bei mir. Sie hat meine Handtasche samt Portemonnaie im Gebüsch gefunden. Alles noch drin ausser dem Geld. Ein paar andere Dinge lagen ebenfalls bei der Tasche. Ich bitte sie die gefunden Sachen zur Polizei zu bringen. Leider schickt uns die Polizei die Sachen aber nicht zu. Wir müssen sie persönlich abholen kommen. Ähm, 1300 km? Nein! Die Französin namens Catherine (die übrigens englisch mit mir spricht) bietet uns an, die Sachen bei der Polizei zurück zu holen. Super Nett! Aber ob das klappt? Und sie hat tatsächlich Erfolg. Einerseits erschreckend, dass Sie Dokumente wie Personalausweis etc. wieder ausgehändigt bekommt, aber natürlich für uns in diesem Fall sehr erfreulich. Ein Paket mit den gefundenen Sachen ist unterwegs. Danke! In dem Paket befindet sich auch Sams kurze Hose, in deren Tasche seine Kreditkarten und die EC Karte stecken. Perso und Führerschein bleiben leider verschwunden.

Jolly im Schönheitssalon und beim 2-jährigen Check-Up (15.7.-29.7)

Auch ein Citroen Jumper hat mal den Schönheitssalon nötig. ROST! Roststellen gibt es einige. Aber was uns hinter der Schiebetürschiene erwartet, damit hätte ich nicht gerechnet. Ab zu Dieter in die Werkstatt. Tür aushängen und los gehts. Abschleifen. Polieren. Rostschutz drauf. JollyJumper-Weiß drüber. An vielen Stellen. Und irgendwann, nachdem man noch wieder eine neue Stelle gefunden hat, sind wir dann durch. Türe wieder einhängen. Natürlich nachdem alles getrocknet ist. Er erstrahlt in feinstem weiß. Keine Roststelle mehr sichtbar. Gute Arbeit.

Da der TÜV ansteht, ist noch mehr zu tun. Ölwechsel. Blinker im linken Aussenspiegel defekt. Bis man mal an dieses blöde Birnchen kommt. Resultat: Lampe drin, Spiegelsplitter im Finger (welcher übrigens nach über 4 Wochen erst komplett wieder raus ist) Weiterhin ist die Lichteinstellung zu hoch. Wir sind schon am Limit. Da wird dann noch ne Runde getrickst. Passt. Ansonsten macht Jolly einen guten Eindruck. Zu Hause wird dann noch das gesamte Auto leer geräumt. Gesaugt und gewischt. Jolly soll nämlich ein richtiger Camper werden. Der 70 Liter Wassertank wird abgelassen und gereinigt. Schnell noch die Rückfahrkamera installiert. Vollgetankt, auf die Waage beim Schrotthändler, neues Leergewicht bestimmen und ab zum TÜV.

Die Gasprüfung übersteht Jolly ohne Mängel. Aber leider bemängelt der Herr vom TÜV die hinteren Bremsen. Links fehlt zudem ein Blech hinter Reifen und Bremsanlage (Ankerplatte). Wer hat das denn vergessen zu montieren? Also wieder in die Werkstatt und neue Bremsen drauf. Dabei fällt auf, dass das Ankerblech nicht fehlt, sondern einfach weggerostet ist. Ups! Auch hier wird wieder getrickst. Das Werkzeug wird immer größer. „Je größer das Problem, umso größer das Werkzeug“ lerne ich. Leider geht es nicht so schnell, wie man es gerne hätte. Immer eine neue Schwierigkeit. Jetzt will Sam endlich die neuen Bremsscheiben einbauen, bemerkt aber recht schnell, dass es die falschen Ersatzteile sind. Der Werkstattmeister besorgt kurzerhand neue. Doch auch hier zeigt sich: es sind schon wieder die Falschen! Alle guten Dinge sind drei. Die dritten Scheiben sind dann auch die Richtigen. Gott sei Dank. Vollkommen fertig von der Hitze, zu wenig gegessen und getrunken und die Probleme beim Einbau, kommt Sam nach Hause. Mit Jolly. Es ist vollbracht.

Die Abgasuntersuchung ist auch nicht so einfach. In der ECU (Steuergerät) war noch ein abgasrelevanter Fehler. Nicht so gut. Der Fehler kann nicht gelöscht werden. Auch in einer anderen Werkstatt ist es nicht möglich den Fehler zu löschen. Scheiss Technik. Keine AU. Noch so ein Ding, was nicht sein muss. Wir fahren nach Anraten vom TÜV-Mann noch zum Bosch Service. Die bekommen es hin und können uns auch die AU machen. Puh, noch mal Glück gehabt.

TÜV die Zweite. Bremsen sind gut. AU haben wir auch. Camper sind wir schon. Plakette drauf. PAAAASST!!!

Am höchsten Berg der Alpen (5.7.-14.7.)

Wohin geht die Reise jetzt weiter? Die Idee war über den Grimselpass in Richtung Zermatt zu starten. Es ist jetzt nach 16 Uhr. Es regnet. Wir entscheiden uns gegen das Matterhorn und ziehen stattdessen den Mont Blanc in betracht. Der soll sowieso eine Station unserer Reise werden. Über Bern und Freiburg (CH) fahren wir an den Genfer See. Wir wollen in Montreux halt machen. Direkt am See. Aber irgendwie sind überall Straßen gesperrt und viele Menschen unterwegs. Alle Parkplätze sind übervoll. Ah! Hier ist Jazzfestival. Wir finden einen Parkplatz in Villeneuve. Sam möchte mit dem Fahrrad zurück und auf das Jazzfestival. Ich habe Kopfschmerzen und entscheide mich dagegen. In der Nacht regnet es wieder. Wir schlafen lange. Auch der nächste Tag ist komplett verregnet. Wir haben einen schönen Parkplatz an einem Coop Supermarkt. Kostenfreies WLAN um Wanderrouten zu planen. Blogeinträge online stellen. Auf dem Bärgli war das mit dem Internet nämlich ein bisschen mau. Aber vollkommen okay. Außerdem haben wir im Coop eine Toilette 🙂 Gegen Nachmittag wird der Himmel heller. Die Wolken heben sich und geben endlich den Blick auf die Berge frei. Wir befahren das Rhonetal durch Martigny über die Route de la Forclaz nach Trient. In dem kleinen Örtchen übernachten wir. Jolly bekommt einen Parkplatz am Gletscherbach. Blick auf den „Glacier du Trient“. Ich wandere am nächsten Vormittag zum Gletscher. Sam geht fliegen. Dann fahren wir weiter über die Grenze nach Frankreich. Am Nachmittag unternehmen wir zusammen noch eine Wanderung zum „Lac Blanc“. Der weiße See. Der „Mont Blanc“ ragt gegenüber in die Höhe. Seine Spitze frei von Wolken. Mehrere Gletscherzungen reichen weit ins Tal. Wieder ein Ort auf der Welt an dem einem der Atem stockt. Gewaltigst. Der Abstieg gestalltet sich sehr anstrengend. Die Wanderung am Morgen und der Aufstieg zum Lac Blanc haben spuren hinterlassen. Ich bin froh dass irgendwann unser Jolly in Sicht kommt. Jetzt noch was essen und einen Nachtplatz finden.
Wir stehen am Landeplatz in Charmonix. Hier geht am nächsten Morgen bereits die Post ab. Unmengen Paraglider in der Luft. Aber hier kostet eine Gondelfahrt viel Geld. Ich möchte nicht fliegen. Mir zu viel Verkehr in der Luft. Armer Sam ;). Wir gehen nochmal wandern, obwohl die Beine noch müde sind. „Les Bossons“ ist Start der Wanderung. Zwischen zwei ins Tal reichende Gletscherzungen führt der Weg hinauf. Er windet sich von links nach rechts. Wir sehen den einen Gletscher und dann wieder den anderen. An einer kleinen Hütte machen wir Rast, trinken etwas und schauen uns den linken der beiden Gletscher an. Es knackt. Es knarzt. Dann rollen Steine. Ein Stück bricht ab. Überall riesige Spalten. Gigantisch schwere Steine im Eis. Die Waderung geht weiter. Der Weg wird steiler und enger. An einer kleinen Erhöhung machen wir noch einmal Rast und schauen uns beide Gletscherzungen und den Gipfel des Mont Blanc an. Auch der Blick ins Tal ist nicht zu verachten. Wir stehen zwischen zwei Gletschern im T-Shirt. Oberhalb Schnee. Die Sonne brennt. Unwirklich. Eigentlich dachten wir, der Weg wäre ein Rundweg, aber wir müssen umkehren. Gleicher Weg zurück. Auf dem Weg nach unten werden wir von einigen Bergläufern überholt. Der Abstieg ist mal wieder übel. Runter ist viel schlimmer als hoch. Aber irgendwann ist Jolly wieder in Sicht.

Wir verlassen Charmonix und fahren nach Passy. Ein Geheimtipp von meinem lieben Schwager Tobi. ( Lieber Tobi!Ich hoffe du liest das jetzt hier und guckst nicht nur Bilder 🙂 ) Auf einem Hochplateau namens Plaine Joux können wir über Nacht stehen. Im Winter klein aber fein zum Skifahren. Im Sommer Ausgangspunkt schöner Wanderungen und natürlich ein Paraglider Startplatz! Von hier oben haben wir den allerbesten Ausblick auf das Mont Blanc Massiv. Wir packen unseren Grill aus und bruzzeln uns feinste Burger und Kartoffelspalten. Burger mit Aussicht.
Gut geschlafen. Toller Ausblick am Morgen. Ein herrliches Frühstück in der Sonne. Duschen! Was will man mehr? Schnell noch zum nahegelegenen „Lac Vert“ (der grüne See) gewandert und dann bereit machen zum paragliden. Der Wind kommt in der Regel von vorne. Was ja gut ist am Startplatz. Aber gegen Mittag macht die Windfahne komische Dinge. Die Franzosen warten ab, bis die Fahne zum starten gut steht und dann gehen sie der Reihe nach raus. Turbulente Luft. Mir ist das nicht geheuer. Ich guck mir das erst mal an. Sam geht raus. Er muss ziemlich viel arbeiten mit seinem Schirm. Gut, dass ich nicht raus bin. Stattdessen schreibe ich weiter am Blog, mache den Abwasch, wasche eine paar Shirts durch und geniesse einfach den Ausblick. Sam kann sich einige Zeit in der Luft halten und geht irgendwann zum landen. Er kommt zu Fuß hoch. Wir verlassen noch an dem Abend Passy und machen uns auf nach Annecy.

Happy birthday Sam! (10.7.) wir frühstücken draußen unter Bäumen im Schatten gemütlich mit Baguette und Croissant. Der Wind steht schon am morgen ordentlich an. Ein Tandem nach dem anderen überfliegt uns. Wir gehen zum „Groundhandeln“ zum Landeplatz. Schöner, laminar anstehender Wind. Perfekt. Nach ca. 2 Stunden Anstrengung- ja, das ist anstengend- gehen wir zum See „Lac de Annecy“ baden. Eine wunderbare Abkühlung. Danach versucht Sam noch einen Platz im Navette (Shuttel) zu bekommen. Er wird belohnt. Er bekommt einen wunderbaren Geburtstags-Sonnenuntergangs-Flug. Glücklich und zufrieden landet er gegen 21 Uhr und bekommt von mir noch ein kaltes Landebier gebracht. Jetzt haben wir beide Hunger. Nach längerem suchen bekommen wir auch noch etwas zu essen und ein leckeres Bierchen.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Navette auf den „Col de Forclaz“. Hier oben weht ebenfalls ein strammer Wind. Ich warte auf geeignete Bedingungen. Wir schauen uns die Tandems an. Wie an einer Perlenkette geht einer nach dem anderen raus. Kurz hinter dem Start geht es bestimmt 50 Meter senkrecht nach oben. Wie ein Fahrstuhl. Nach 5 Stunden warten hat sich an den Starbedingungen nichts geändert. Gerädert von der Sonne und hungrig fahre ich mit dem Navette wieder runter. Zu starten macht für mich keinen Sinn. Ich weiß genau, dass ich das nicht prickelnd finden würde, wenn ich mal eben 50 Meter Aufzug fahre. statt dessen gehe ich wieder ground handeln. Sam wartet noch weitere 2 Stunden und geht dann raus. Immer noch die gleichen Bedingungen am Start. Aber er wird wieder mit einem tollen Flug belohnt. Auch ich bin trotz Talfahrt mit Navette zufrieden. Obwohl mir ein bischen schlecht ist.
Die letzte Nacht in Annecy. Noch einmal im See baden und wir reisen Richtung Bern. Wir wollen noch „Röteli“ kaufen. Hier stellen wir etwas abseits das Auto ab und fahren mit dem Rad in die Innenstadt. Sehr viele Menschen sind unterwegs. Ein bischen rumlaufen und gucken, Toiletten aufsuchen, WLAN schnorren und Röteli kaufen. Weiter gehts kurz über die Deutsche Grenze. Tanken. Einkaufen. Zurück über den Rhein nach Frankreich. Es verschlägt uns nach Colmar. Hier finden wir ein ruhiges Plätzchen an einem Kanal. Aber wir sind nicht alleine. Mückenallarm. Der nächste Tag ist unglaublich warm. Unser Wassertank ist leer. Wir finden keinen geeigneten Brunnen. Aber unsere Wasserflaschen und unseren 10Liter Kanister können wir voll machen. Das reicht erstmal. Wir folgen einem anderen Kanal „La Lauch“ (lustiger Name)und finden dort unseren nächsten Nachtplatz. Fahrräder ab und nach Colmar Innenstadt. Was isst und trinkt man im Elsaß? Flammkuchen und Wein. Auf dem Rückweg ist es dunkel. Es ist der 13.7. Am 14.7. ist in Frankreich Nationalfeiertag. Einige Feuerwerke sind schon zu sehen. Kurzerhand holen wir noch eine Flasche Wein und unsere Stühle und setzten uns mitten auf ein Feld um uns das Feuerwerk anzuschauen. Gegen halb 1 ist dann auch Ende. Die Flasche ist leer und wir sind müde. Das war schön.
Wir wollen noch mal fliegen. Aber es findet sich kein geeigneter Platz. Irgendwie ist alles doof. Nach langem suchen und sehr warmen Temperaturen entscheiden wir uns Richtung Heimat zu fahren. Jolly muss noch zum TÜV und vorher in die Werkstatt. Auf dem Weg nach Hause fahren wir noch kurz bei Sams Oma vorbei. Die freut sich uns zu sehen. Und der Rest der Familie natürlich auch. Nach gut 9 Wochen…

Oben auf dem Bärgli – Almhütte (29.6- 5.7.)

Wir werden freundlich auf der Almhütte empfangen. Helmut und Elisabet sind fast fertig mit melken. Johannes (18) aus Mainz, der den Sommer dort oben als Aushilfe arbeitet, weist uns auf unserem Parkplatz ein. Wir begrüßen alle und sehen uns erstmal auf dem Hof um. Dabei lernen wir auch Johanna (60) aus München kennen, die den Sommer über in der Küche bzw. im Haushalt Elisabet unterstützen soll. Der Hof liegt am Fuße von einer Steilwand – die „Alpschelewand“. Start für wunderbaren Kletterrouten von einfach bis schwer. Das Klettergebiet Ueschene zieht jeden Sommer viele Kletterer hier hoch. Nach der anstregenden Klettertour ist bei Elisabet noch für das leibliche Wohl gesorgt. Sie betreiben neben der Almkäseproduktion auch ein Restaurant mit deftiger Küche. Außerdem sind Zimmer bzw. ein Bettenlager vorhanden. Bericht:
http://bergsteiger.de/touren/klettern/sportklettern-ueschene-bei-kandersteg

Das einzige was hier oben fehlt ist: Der Anschluss ans Stromnetz. Gemolken werden die 18 Kühe aber nicht mehr von Hand. Es gibt eine Melkmaschinen mit zwei tragbaren Melkgeschirren. Hierfür wird ein Dieselgenerator hinterm Haus angeschmissen. Das ist übrigens morgens gegen halb 5 bis ungefähr 7, vielleicht auch halb 8, je nach dem wie schnell Helmut und Johannes vorwärtskommen. Jetzt ratet mal wo unser Jolly stand? Richtig, beim Generator. 🙂 Das Wasser kommt aus einer Quelle am Berg, wird gefiltert und zum käsen bzw. im Haus verwendet. Hat übrigens ausgezeichnete Trinkwasserqualität. Erwärmt wird das Wasser mit einem Holzofen der einen Wasserspeicher beheizt.

Wir werden gleich zum Abendessen eingeladen, sitzen gemütlich zusammen und erzählen von unserer Tour. Dabei lernen wir Johannes etwas besser kennen. Johanna geht kurz nach dem Essen in ihre Hütte gegenüber dem Hof.
Die erste Nacht hier oben ist etwas ungewohnt unruig. Wir hören die ganze Nacht über das gebimmel der Kuhglocken aus dem Stall und von den Rindern auf den Wiesen rund herum. Ausserdem wartet man darauf dass der Generator angeht. Aber das gleichmäßige brummen bringt einen wieder in den Schlaf. Wir haben uns für halb 8 Uhr zum Frühstück verabredet. Der Tisch ist bereits gedeckt. Die Kühe dürfen auf die Weide. Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich schon, weil alle bereits seit fast 4 Stunden aktiv sind und wir haben schön bis 7 Uhr im Bett gelegen und geschlafen. Elisabet ist bereits mit dem Käsen beschäftigt. Nach dem Frühstück bekommen wir unsere erste Aufgabe. Neben den 18 Milchkühen sind auch 20 Rinder auf einer Weide direkt am Haus. Da es bisher ungewöhnlich trocken ist, ist auch der Boden für die Rinderklauen nicht so optimal, viel zu hart. Ein Rind hat sich verletzt und humpelt über die Wiese. Wir sollen es von den anderen Tieren trennen und in den Stall treiben. Eigentlich dürfte das kein Problem sein. Es ist sehr steil, deswegen ist noch mehr vorsicht geboten. Aber Sam und ich, wir alten Kuhflüsterer, bringen das Tier ganz entspannt ohne weiteres runter zum Stall. Das arme Tier hat „es Grippli“ und muss mit Antibiotika behandelt werden und bekommt jetzt täglich antibiotische Salbe. Es sind Bakterien die sich in eine Wunde an den Klauen setzen und dort eine schöne Entzündung hervorrufen. Da das ganze ansteckend ist, darf das Rind erstmal nicht mehr auf die Wiese zu den anderen Rindern.
Am Nachmittag kommen ein paar Gäste vorbei. Ich schaue zu wie die Speisen zubereitet werden und helfe beim Spülen und Abtrocknen. Dank des schönen Wetters kommen auch am Abend noch Gäste. Ich fühle mich in meiner neuen Rolle als Bedienung ganz gut. Bestellung aufnehmen, servieren, abräumen. Die Leute sind nett und Elisabet lobt mich viel. Sam hilft beim Spülen und später auch im Stall. Uns macht es bisher Spass.
Auch am Sonntag kommen wieder Gäste. Wir grillen hinter dem Haus und nebenbei bewirten Elisabet und ich die Gäste.  Am Nachmittag geht Sam fliegen. Johannes und Ich begleiten ihn. Johannes scheint sehr interessiert am fliegen zu sein. Wahrscheinlich hat er sich mittlerweile schon zum Kurs angemeldet 😉 Er ist auf jeden Fall sehr fit, macht Bergläufe und kennt sich sehr gut in der Bergwelt aus. So ein Gleitschirm würde gut zu ihm passen. Ab 16.30 ist wieder Stall angesagt. Stall vorbereiten. Kühe zusammen treiben. Jede Kuh hat ihren Platz. Melken. Das Milchvolumen jeder Kuh wird notiert. Kühe, deren Milch zum käsen nicht in Ordnung ist kommt in einen anderen Kessel. Wird entweder an die Kälber verfüttert, in der Küche gekocht oder weggeschüttet. Der Käse gelingt nur mit der besten Milch. Es gibt übrigens auch 3 Schweine hier oben auf dem Hof. Quasi die Müllabfuhr. Sie bekommen die Küchenabfälle. Aber Kartoffel- und Möhrenschalen mögen sie nicht. Ansonsten liegen sie den ganzen Tag in der Sonne. Man muss aufpassen dass sie keinen Sonnenbrand bekommen. 🙂

Es gibt immer was zu tun. Langweilig wird hier keinem. Heute wird Holz gemacht. Außerdem muss noch ein Weg ausgebessert werden, der im Winter von einer Lawine teilweise zerstört wurde. Ich soll mich im Haushalt etwas zurück halten. Dann sitze ich halt in der Sonne und schreibe Blog und lese etwas. Vielleicht räume ich auch mal in unserem Jolly etwas auf? Oder streichle (massiere) lieber Kühe und Katzen. Heute gehe ich auch mal mit in den Stall. Ich darf sogar melken. Ich bin zwar früher viel bei meinen Freundinnen auf deren Bauernhöfen gewesen, aber gemolken habe ich noch nie. Euter reinigen, von Hand anmelken, schauen ob die Milch in Ordnung ist, melken mit dem Melkgeschirr, zum Schluß noch was auf die Zitzen schmieren und die nächste Kuh ist dran. Ich hätte mir besser ein paar Gummistiefel und dreckige Sachen angezogen. Naja, jetzt ist es zu spät. Überall Kuhschei…:)

Der nächste Morgen ist anders. Johanna’s etwas seltsame Ansicht von Arbeit und allgemein der Dinge, führt häufig zu Unstimmigkeiten zwischen ihr und den anderen Hofbewohnern. Die Lage eskaliert, sie bricht Ihren Job hier oben ab und reist endgültig ab. Sie verlässt den Hof deutlich früher als abgemacht. Jetzt hat Elisabet ein Problem. Den Käse, der viel Zeit braucht und den kompletten Haushalt alleine stemmen, das wird schwer. Wir beschließen noch etwas zu bleiben und sie zu unterstützen. Wir haben ja Zeit und machen es gerne. Nach etwas telefonieren ist auch Ersatz für Johanna gefunden. Allerdings erst ab dem 14. Juli. Aber immerhin. Bis dahin: Frühstück, Mittag und Abendessen machen, Gäste bewirten, alles sauber halten, Spülen usw…

Am Vormittag gehen wir mit Helmut Rinder zählen und schauen ob noch weitere Rinder verletzt sind. Ausserdem müssen wir mal nach den Wasserstellen schauen. Viel Wasser kommt nämlich nicht mehr unten an. Die Wasserreserven sind angegriffen. Auf der steilen Wiese kommt plötzlich ein ca. 300-400 kg schwerer Stein auf uns zu gerollt. Zum Glück kommt er aber auf einem kleinen Plateau zum liegen. Man weiß nicht wo man hin rennen soll, weil er auf Grund seiner Form ständig die Richtung wechselt. Was hab ich Herzrasen. Das hätte gewaltig schief gehen können! Da sieht man mal, dass der Berg immer in Bewegung ist.  Helmut war früher Bergführer. Er ist hier oben zuhause. Kennt die Schönheit und die Tücken. Er erzählt uns viel über die Berge rundherum. Er kennt fast jede Blume und weiß sehr viel über die Natur. Wisst ihr wie unglaublich gut „Männertreu“ richt? Ich weiß es jetzt und werde es nie vergessen. Wir bekommen hier oben einen wahnsinns Blick auf die äußere Üschene, den Oeschienensee, Blümlisalphorn und natürlich auf den Hof.

Am Nachmittag  versuchen wir es noch mal mit Paragliden. Diesmal gehe ich mit. Wir haben Nullwind. Wir starten auf einem alten Lawinenfeld. Ich muss viel laufen und komme sehr tief raus. Dabei streife ich noch mit meinem Protektor einen Zaun. Der mich aber Gott sei Dank fliegen lässt. Das war dann heute die zweite Portion Glück.  Eine ruhiger aber kurzer Flug und eine sanfte Landung. Elisabet war heute einkaufen und nimmt uns wieder mit Hoch auf den Berg. Den Abend lassen wir mit Fondue und Wein ausklingen. Dabei erzählt uns Helmut die ein oder andere Geschichte aus seinem spannenden Leben. Nach seiner Tätigkeit als Bergführer hat Helmut Bergbahnen installiert. Auch aus dieser Zeit berichtet er von interessanten Projekten. Elisabet hat ebenfalls viele lustige und ernste Geschichten zu erzählen. Wir lernen viel von den Beiden.

Wenn schlechtes Wetter ist, kann man bei Tage trotzdem nicht viel sehen. Keine 10 m weit lässt einen der Nebel blicken. Und mal eben Licht anmachen geht nicht. Gewitter ist ebenfalls nicht so lustig hier oben. Gespenstisch sind die Nebelschwaden die den Berg hoch ziehen. Dafür kann man in der Nacht bei klarem Himmel einen tollen Sternenhimmel bewundern. Oder Wetterleuchten in der Ferne ist auch ein toller Anblick. Ansonsten sieht man nachts die Hand vor Augen nicht. Diese Dunkelheit kennen wir von zu Hause nicht. Einen Abend bekommen wir ein Naturspektakel zu sehen: Alpenglühen. Nach wenigen Minuten auch wieder verschwunden. Die Berge sind so rot, dass man meint, sie brennen.

Fast eine Woche hier. Zeit für uns weiter zu ziehen. Das Wetter zeigt sich heute von seiner nicht so schönen Seite. Aber der Regen ist wichtig. Sehr sogar. Eigentlich wollten wir heute noch den Klettersteig an der Almenalpbahn machen. Bei Regen und Gewitter keine so gute Idee im Felsen am Metall zu hängen. Ein großer Blitzableiter. Wir waren nicht zum letzten Mal hier. Ganz bestimmt. Beladen mit einer großen Portion Alp-und Hobelkäse verlassen wir den liebgwonnenen Ort mit den liebgewonnen Menschen.

Fazit: Es sind nicht viele spektakuläre Dinge passiert. Aber das Gesehene, das Gefühlte, das Gehörte, das Gerochene, das Gespürte, das Zwischenmenschliche, einfach das Erlebte. Für immer unvergesslich. Und schwierig in Worte zu fassen. Tolle Menschen, die nicht viel über uns wissen, aber uns in der kurzen Zeit als Menschen ins Herz geschlossen haben. Und umgekehrt. So etwas tut einfach gut. Eine Woche für die Seele. Danke