Albanien 3.10. – 4.10.

In Albanien wollen wir uns nicht lange aufhalten. Wir wollen eigentlich nur durch fahren um nach Griechenland zu kommen. Mehr als 400 km nahe der Küste. Wieder so ein Land wo ich nicht viel drüber weiß. Wo ich vielleicht auch ein bisschen Angst habe? Berechtigt? Nein, das sage ich vorweg!

Am 3.Oktober brechen wir vom “Long Beach” bei Ulcinj (Montenegro) auf in Richtung Grenze zu Albanien. Wir sind ein wenig aufgeregt, oder vielmehr ich. Ob wir die Grenze mit Sams vorläufigem Personalausweis passieren können. Laut Internet ist das nämlich nicht möglich. Aber da hätten wir eigentlich auch schon Probleme in Kroatien, Bosnien und Montenegro bekommen müssen. Einen Versuch ist es wert, sonst müssen wir halt umdrehen und zurück fahren. Auf dem Weg zur Grenze stehen wir vor unserem ersten Hindernis: eine Straßensperrung. Die möchte umfahren werden. Es geht einen steilen Berg hinauf über eine schmale Schotterstraße. So das ein oder andere Schlagloch zwingt uns, langsam zu fahren. Im Navi zeigt sich ein riesen Umweg. Aber was wollen wir anderes machen? Irgendwann erscheint dann doch die Grenze vor uns. Wir reihen uns in die Autoschlange ein. Dann sind wir dran. Ausweise vorzeigen. Komische Blicke auf das Papier und auf Sam. “Okay, das wars dann” denke ich. Ich schwitze. Er verschwindet mit unseren Ausweisen und kommt dann wieder und noch weitere Kollegen mit ihm. Einer spricht Englisch mit uns: Was ist das? Mein Ausweis! Warum hat man sie damit bis hier hin fahren lassen? Sie beratschlagen sich und letztendlich dürfen wir sogar weiter fahren. Cool! Also auf in Richtung Griechenland.

Die Straßen in Albanien sind auf den ersten Blick besser als in Montenegro. Schön breit. Aber nur auf den ersten Blick. Man muss besonders bei Brücken aufpassen. Keine Dehnungsfugen vorhanden. Somit tiefe Löcher vor und nach den Brücken. Auf der sogenannten “Autobahn” stehen Verkaufsstände an der Auffahrt und gerne auch Nutztiere an den Seiten. Außerdem gelten hier andere Verkehrsregeln: -Vorfahrt hat der, der sie sich nimmt. Am liebsten mit Handzeichen -Überholt wird dort, wo gerade Platz ist. Gerne auch mal von rechts. Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir schon in Montenegro, aber das hier ist der Wahnsinn! Ich bin froh, dass ich nicht am Steuer sitze. Das macht mich sogar als Beifahrer fertig.

Wir fahren durch ein riesiges Tal. Rechts die Küste, links riesig aufsteigende Berge. Überall in der Landschaft sehen wir kleine dunkle Rauchschwaden aufsteigen. Feuer. Wir erkennen sehr schnell, dass das alles kleine Müllberge sind, die einfach angezündet werden. Schon wieder Verschandelung der schönen Natur. Wir fahren bis Vlora. Dort soll ein schöner freier Stellplatz direkt in einer Bucht am Meer sein. Der Weg dahin gefällt mir nicht wirklich. Wir verlassen die große Straße. Tiefe Schlaglöcher wo ganze Autos drin verschwinden könnten müssen wir umfahren. Dann wird der Weg noch schmaler. Und dann sind wir auf einer Schotterstraße unterwegs, die wir nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren können. Sonst fliegt uns hinten alles um die Ohren. Nachdem wir ein paar Kühe überholt haben erreichen wir die Bucht. Gott sei Dank. Jetzt nur noch den richtigen Platz finden. Wer dachte wir wären hier die einzigen. Fehlanzeige. Neben 2 weiteren Campern gibt es hier den Schäfer mit seinen Hütehunden, die ihren Job sehr ernst nehmen. Dann gibt es da noch den freundlich winkenden und bekifften Kuhhirten. Wir haben eine Stelle im festen Sand gefunden. Blick auf den Sonnenuntergang. Ein wankender, stolpernder Mann kommt in unsere Richtung. Er bleibt stehen. Stolpert weiter. Bleibt wieder stehen. Guckt zu uns. Mir ist etwas mulmig. Aber hey, was solls, ich winke ihm einfach mal. Er grinst und winkt zurück. Trottet an uns vorbei. Als er vorbei ist riechen wir den Grund seines stolperns und stehen bleibens. Er hat sich gerade einen Joint gedreht und angezündet. Vermutlich nicht der erste heute. Der wird uns nicht gefährlich. Aber was macht der da? Der treibt die Kühe ein. Eine kleine Kuhherde von über 20 Tieren trottet vor uns am Strand entlang. Lustig. Ich hab noch nie Kühe am Strand gesehen. Im Sonnenuntergang.

Irgendwann ist es dann dunkel und die Mücken sind wieder da. Wir gehen rein. Bin müde von der anstrengenden Autofahrt. Der Fahrstil der Albaner hat mich fertig gemacht. Im Halbschlaf schrecke ich hoch. Ein Hund rennt bestimmt 4-5 Minuten bellend um unser Auto. Er scheint von unserem Platz nicht begeistert zu sein. Ausgerechnet jetzt müsste ich mal pinkeln. Er ist wieder weg. Wir warten noch mal 10 Minuten. Dann schnell raus und wieder ins Auto. In der Nacht schlafe ich unruhig. Immer mal wieder Hundegebell. Aber er kommt nicht wieder.

Wir frühstücken draußen und genießen die Sonne. Gegen 11 Uhr beschließen wir weiter zu fahren. Wieder die beschissene Straße zurück. Am liebsten würde ich Jolly tragen. Der Arme. Zurück auf der “Autobahn” geht es dann. Wir fahren jetzt durch die Berge. Breite Flussbetten. Hohe Berge. Sonnenschein. Eine atemberaubende Natur. Und Irgendwann ist sie da: Die Griechische Grenze. Fast geschafft.

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