Am höchsten Berg der Alpen (5.7.-14.7.)

Wohin geht die Reise jetzt weiter? Die Idee war über den Grimselpass in Richtung Zermatt zu starten. Es ist jetzt nach 16 Uhr. Es regnet. Wir entscheiden uns gegen das Matterhorn und ziehen stattdessen den Mont Blanc in betracht. Der soll sowieso eine Station unserer Reise werden. Über Bern und Freiburg (CH) fahren wir an den Genfer See. Wir wollen in Montreux halt machen. Direkt am See. Aber irgendwie sind überall Straßen gesperrt und viele Menschen unterwegs. Alle Parkplätze sind übervoll. Ah! Hier ist Jazzfestival. Wir finden einen Parkplatz in Villeneuve. Sam möchte mit dem Fahrrad zurück und auf das Jazzfestival. Ich habe Kopfschmerzen und entscheide mich dagegen. In der Nacht regnet es wieder. Wir schlafen lange. Auch der nächste Tag ist komplett verregnet. Wir haben einen schönen Parkplatz an einem Coop Supermarkt. Kostenfreies WLAN um Wanderrouten zu planen. Blogeinträge online stellen. Auf dem Bärgli war das mit dem Internet nämlich ein bisschen mau. Aber vollkommen okay. Außerdem haben wir im Coop eine Toilette 🙂 Gegen Nachmittag wird der Himmel heller. Die Wolken heben sich und geben endlich den Blick auf die Berge frei. Wir befahren das Rhonetal durch Martigny über die Route de la Forclaz nach Trient. In dem kleinen Örtchen übernachten wir. Jolly bekommt einen Parkplatz am Gletscherbach. Blick auf den „Glacier du Trient“. Ich wandere am nächsten Vormittag zum Gletscher. Sam geht fliegen. Dann fahren wir weiter über die Grenze nach Frankreich. Am Nachmittag unternehmen wir zusammen noch eine Wanderung zum „Lac Blanc“. Der weiße See. Der „Mont Blanc“ ragt gegenüber in die Höhe. Seine Spitze frei von Wolken. Mehrere Gletscherzungen reichen weit ins Tal. Wieder ein Ort auf der Welt an dem einem der Atem stockt. Gewaltigst. Der Abstieg gestalltet sich sehr anstrengend. Die Wanderung am Morgen und der Aufstieg zum Lac Blanc haben spuren hinterlassen. Ich bin froh dass irgendwann unser Jolly in Sicht kommt. Jetzt noch was essen und einen Nachtplatz finden.
Wir stehen am Landeplatz in Charmonix. Hier geht am nächsten Morgen bereits die Post ab. Unmengen Paraglider in der Luft. Aber hier kostet eine Gondelfahrt viel Geld. Ich möchte nicht fliegen. Mir zu viel Verkehr in der Luft. Armer Sam ;). Wir gehen nochmal wandern, obwohl die Beine noch müde sind. „Les Bossons“ ist Start der Wanderung. Zwischen zwei ins Tal reichende Gletscherzungen führt der Weg hinauf. Er windet sich von links nach rechts. Wir sehen den einen Gletscher und dann wieder den anderen. An einer kleinen Hütte machen wir Rast, trinken etwas und schauen uns den linken der beiden Gletscher an. Es knackt. Es knarzt. Dann rollen Steine. Ein Stück bricht ab. Überall riesige Spalten. Gigantisch schwere Steine im Eis. Die Waderung geht weiter. Der Weg wird steiler und enger. An einer kleinen Erhöhung machen wir noch einmal Rast und schauen uns beide Gletscherzungen und den Gipfel des Mont Blanc an. Auch der Blick ins Tal ist nicht zu verachten. Wir stehen zwischen zwei Gletschern im T-Shirt. Oberhalb Schnee. Die Sonne brennt. Unwirklich. Eigentlich dachten wir, der Weg wäre ein Rundweg, aber wir müssen umkehren. Gleicher Weg zurück. Auf dem Weg nach unten werden wir von einigen Bergläufern überholt. Der Abstieg ist mal wieder übel. Runter ist viel schlimmer als hoch. Aber irgendwann ist Jolly wieder in Sicht.

Wir verlassen Charmonix und fahren nach Passy. Ein Geheimtipp von meinem lieben Schwager Tobi. ( Lieber Tobi!Ich hoffe du liest das jetzt hier und guckst nicht nur Bilder 🙂 ) Auf einem Hochplateau namens Plaine Joux können wir über Nacht stehen. Im Winter klein aber fein zum Skifahren. Im Sommer Ausgangspunkt schöner Wanderungen und natürlich ein Paraglider Startplatz! Von hier oben haben wir den allerbesten Ausblick auf das Mont Blanc Massiv. Wir packen unseren Grill aus und bruzzeln uns feinste Burger und Kartoffelspalten. Burger mit Aussicht.
Gut geschlafen. Toller Ausblick am Morgen. Ein herrliches Frühstück in der Sonne. Duschen! Was will man mehr? Schnell noch zum nahegelegenen „Lac Vert“ (der grüne See) gewandert und dann bereit machen zum paragliden. Der Wind kommt in der Regel von vorne. Was ja gut ist am Startplatz. Aber gegen Mittag macht die Windfahne komische Dinge. Die Franzosen warten ab, bis die Fahne zum starten gut steht und dann gehen sie der Reihe nach raus. Turbulente Luft. Mir ist das nicht geheuer. Ich guck mir das erst mal an. Sam geht raus. Er muss ziemlich viel arbeiten mit seinem Schirm. Gut, dass ich nicht raus bin. Stattdessen schreibe ich weiter am Blog, mache den Abwasch, wasche eine paar Shirts durch und geniesse einfach den Ausblick. Sam kann sich einige Zeit in der Luft halten und geht irgendwann zum landen. Er kommt zu Fuß hoch. Wir verlassen noch an dem Abend Passy und machen uns auf nach Annecy.

Happy birthday Sam! (10.7.) wir frühstücken draußen unter Bäumen im Schatten gemütlich mit Baguette und Croissant. Der Wind steht schon am morgen ordentlich an. Ein Tandem nach dem anderen überfliegt uns. Wir gehen zum „Groundhandeln“ zum Landeplatz. Schöner, laminar anstehender Wind. Perfekt. Nach ca. 2 Stunden Anstrengung- ja, das ist anstengend- gehen wir zum See „Lac de Annecy“ baden. Eine wunderbare Abkühlung. Danach versucht Sam noch einen Platz im Navette (Shuttel) zu bekommen. Er wird belohnt. Er bekommt einen wunderbaren Geburtstags-Sonnenuntergangs-Flug. Glücklich und zufrieden landet er gegen 21 Uhr und bekommt von mir noch ein kaltes Landebier gebracht. Jetzt haben wir beide Hunger. Nach längerem suchen bekommen wir auch noch etwas zu essen und ein leckeres Bierchen.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Navette auf den „Col de Forclaz“. Hier oben weht ebenfalls ein strammer Wind. Ich warte auf geeignete Bedingungen. Wir schauen uns die Tandems an. Wie an einer Perlenkette geht einer nach dem anderen raus. Kurz hinter dem Start geht es bestimmt 50 Meter senkrecht nach oben. Wie ein Fahrstuhl. Nach 5 Stunden warten hat sich an den Starbedingungen nichts geändert. Gerädert von der Sonne und hungrig fahre ich mit dem Navette wieder runter. Zu starten macht für mich keinen Sinn. Ich weiß genau, dass ich das nicht prickelnd finden würde, wenn ich mal eben 50 Meter Aufzug fahre. statt dessen gehe ich wieder ground handeln. Sam wartet noch weitere 2 Stunden und geht dann raus. Immer noch die gleichen Bedingungen am Start. Aber er wird wieder mit einem tollen Flug belohnt. Auch ich bin trotz Talfahrt mit Navette zufrieden. Obwohl mir ein bischen schlecht ist.
Die letzte Nacht in Annecy. Noch einmal im See baden und wir reisen Richtung Bern. Wir wollen noch „Röteli“ kaufen. Hier stellen wir etwas abseits das Auto ab und fahren mit dem Rad in die Innenstadt. Sehr viele Menschen sind unterwegs. Ein bischen rumlaufen und gucken, Toiletten aufsuchen, WLAN schnorren und Röteli kaufen. Weiter gehts kurz über die Deutsche Grenze. Tanken. Einkaufen. Zurück über den Rhein nach Frankreich. Es verschlägt uns nach Colmar. Hier finden wir ein ruhiges Plätzchen an einem Kanal. Aber wir sind nicht alleine. Mückenallarm. Der nächste Tag ist unglaublich warm. Unser Wassertank ist leer. Wir finden keinen geeigneten Brunnen. Aber unsere Wasserflaschen und unseren 10Liter Kanister können wir voll machen. Das reicht erstmal. Wir folgen einem anderen Kanal „La Lauch“ (lustiger Name)und finden dort unseren nächsten Nachtplatz. Fahrräder ab und nach Colmar Innenstadt. Was isst und trinkt man im Elsaß? Flammkuchen und Wein. Auf dem Rückweg ist es dunkel. Es ist der 13.7. Am 14.7. ist in Frankreich Nationalfeiertag. Einige Feuerwerke sind schon zu sehen. Kurzerhand holen wir noch eine Flasche Wein und unsere Stühle und setzten uns mitten auf ein Feld um uns das Feuerwerk anzuschauen. Gegen halb 1 ist dann auch Ende. Die Flasche ist leer und wir sind müde. Das war schön.
Wir wollen noch mal fliegen. Aber es findet sich kein geeigneter Platz. Irgendwie ist alles doof. Nach langem suchen und sehr warmen Temperaturen entscheiden wir uns Richtung Heimat zu fahren. Jolly muss noch zum TÜV und vorher in die Werkstatt. Auf dem Weg nach Hause fahren wir noch kurz bei Sams Oma vorbei. Die freut sich uns zu sehen. Und der Rest der Familie natürlich auch. Nach gut 9 Wochen…

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